24.04.2020

Covid 19 – Ärzte unter Druck: Wie einige Regierungen eher gegen Dissidenten als gegen Krankheiten kämpfen

Weltweit wächst der Druck auf Ärzte, sich anzupassen oder schwere Konsequenzen zu tragen

Von Susanne Berger (Washington D.C.)

Interview mit JOJJE OLSSON (@jojjeols), schwedischer Journalist und China-Experte, über Dr. Ai Fen

JOJJE OLSSON (@jojjeols) schloss sein Studium an der Universität von Hongkong 2010 mit einem Master in Journalismus ab. Die nächsten sechs Jahre arbeitete er in Peking, China. Im Jahr 2016 wurde er von den chinesischen Behörden auf die schwarze Liste gesetzt und lebt seitdem in Taiwan. Von dort verfasst er Artikel und Reportagen über Asien für mehr als hundert schwedische und internationale Publikationen, sowie  für  seinen populären und anerkannten Blog “In Beijing” (www.inbeijing.se) Er ist Autor von fünf Büchern, von denen mehrere in schwedischen Schullehrplänen Verwendung finden.

DR. AI FEN (China)

Quelle: scienceintegritydigest.com

“Jetzt erinnern wir uns daran, welch außergewöhnliche Freude wir im ganz gewöhnlichen Leben genossen haben. Das Gefühl, das Baby im Arm zu halten, mit ihm auf einer Rutsche spielen zu gehen oder mit meinem Mann einen Film anzuschauen, selbst Dinge, die wir früher nicht so oft getan haben, das erscheint jetzt alles eine Art von Glück, ein unerreichbares Glück.”

Dr. Ai Fen, Wuhan

Ende Dezember 2019 war Dr. Ai Fen, Leiterin der Notaufnahme des Zentralkrankenhauses von Wuhan, die erste, die ihren Kollegen Informationen über das Vorhandensein schwerer COVID-19/SARS-Infektionen bei mehreren ihrer Patienten mitteilte. Sie wies ihre Mitarbeiter auf die Virulenz des Virus hin und drängte sie, extreme Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, einschließlich des Tragens einer doppelten Lage von Gesichtsschutz, Kitteln und Handschuhen. Unter denjenigen, die Ai’s Warnung erhielten, war der junge Augenarzt Dr. Li Wenliang. Li infizierte sich jedoch schon bald nach der Operation eines erkrankten Patienten mit dem Virus. Als Dr. Ai ihre Bedenken in der populären chinesischen Nachrichten-App WeChat veröffentlichte, verbreitete Dr. Li ihre Warnungen weiter. Er wurde daraufhin von den chinesischen Sicherheitsdiensten festgenommen und befragt. Mindestens sieben seiner Kollegen wurden später ebenfalls verhaftet. Dr. Li beschloss, weiterhin das Wort zu ergreifen, und gab von seinem Krankenhauszimmer aus Interviews, auch für westliche Medien. Er starb Anfang Februar, im Alter von 34 Jahren.

Dr. Ai – “die Hinweisgeberin”, wie sie in China genannt wird – wurde seit fast einem Monat nicht mehr gesehen. Anfang März berichtete Ai über die Bemühungen, sie zum Schweigen zu bringen, in einem Artikel, der in der chinesischen Volkszeitschrift Renwu (People) veröffentlicht wurde. Obwohl die chinesischen Behörden die Geschichte stark zensierten, verbreitete sich bald eine vollständige Version davon in den sozialen Medien.  Einige Tage später erschien ein Beitrag auf Dr. Ais Weibo (chinesischer Twitter-Account):  “Danke für Eure Fürsorge und Liebe. Im Moment geht es mir gut und ich arbeite noch”. Nachdem eine investigative australische Fernsehsendung (“60 Minutes”, Australien) eine Reportage über das Verschwinden von Dr. Ai ausgestrahlt hatte, zeigte ein anderer mysteriöser Post ein Bild einer Straße in Wuhan zusammen mit der Bildunterschrift “Ein Fluss. Eine Brücke. Eine Straße. Eine Uhr schlägt.” Und am 1. April hieß es in einem Beitrag “Happy April Fool‘s Day“, der Dr. Ai in Laborkittel und Maske zeigt, vermeintlich bei der Arbeit. Doch bisher konnte niemand auf unabhängige Weise ihren Aufenthaltsort bestätigen. Am 2. April konnte ein schwedischer Journalist an einer Videokonferenz mehrerer chinesischer Ärzte aus Wuhan und Umgebung teilnehmen. Dr. Ai Fen war eine der Teilnehmerinnen, obwohl ihr genauer Aufenthaltsort unklar blieb. In dem Video schien sie in einem nicht näher beschriebenen Raum zu sitzen, ohne irgendwelche Erkennungsmerkmale, und ihre Kommentare waren weit weniger kritisch als zuvor. Fast zwei Wochen später, am 14. April, konnten Reporter von Radio Free Asia (RFA) mit Dr. Ai sprechen, die sagte, dass es ihr gut geht und dass sie weiterhin im Krankenhaus von Wuhan arbeitet. Sie sagte ihnen auch, dass sie die Autorin der Beiträge in ihrem Social-Media-Account sei. Die Reporter waren jedoch nicht in der Lage, die Anwesenheit von Dr. Ai im Krankenhaus von Wuhan zu bestätigen.

In dem früheren Interview mit Renwu betonte Dr. Ai, dass sie nur eines bedauere – dass sie sich nicht weiter energisch geäußert habe, nachdem sie bei einer disziplinarischen Überprüfung Anfang Januar gerügt worden war.

“Wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich jetzt weiß, wäre mir der Druck (von meinem Vorgesetzten) gleichgültig gewesen, und ich hätte [Schimpfworte] überall gesprochen, verstehen Sie? (…) Niemand hat sich zu irgendeinem Zeitpunkt bei mir entschuldigt. Ich denke immer noch, dass diese Ereignisse ein noch deutlicherer Beweis dafür sind, warum jede Person an ihren eigenen unabhängigen Ideen festhalten sollte, ohne Rücksicht, denn wenn jemand aufstehen und die Wahrheit sagen will, muss es diesen jemand geben, und die Welt muss eine abweichende Stimme hören, nicht wahr?”

Dr. Ais Zorn und Frustration über die willkürliche Reaktion der chinesischen Behörden auf die explodierende Gesundheitskrise in Wuhan wird weithin geteilt, doch nur wenige Menschen wagen es, das Wort zu ergreifen. Diejenigen, die es tun, wie der Immobilien-Magnat Ren Zhiang, setzen sich selbst einem erheblichen Risiko aus. In einer kaum verhüllten Anspielung griff Ren kürzlich in einem beißenden Essay den chinesischen Führer Xi Jinping an und schrieb: “Ich erkenne keinen Kaiser, der da steht und seine ‘neuen Kleider’ zur Schau stellt, sondern einen Clown, der sich nackt auszieht und darauf besteht, weiterhin Kaiser zu sein”. Auch Ren ist inzwischen verschwunden.

Weiterführende Lektüre

Science Integrity Digest, “Dr. Ai Fen, 艾芬, the Wuhan Whistle”

The Guardian, Coronavirus: “Wuhan doctor speaks out against authorities”

The China Times, “ESSAY BY MISSING PROPERTY TYCOON REN ZHIQIANG”

Reporter ohne Grenzen, Pressefreiheit in der Corona-Krise

 

DR. ANASTASIA VASILYEVA (Russland)

Quelle: Ärzte-Allianz, YouTube

“Der Zugang zu Informationen ist ein Schlüsselaspekt des Rechts auf Gesundheit. Jeder hat das Recht, über laufende Hilfsmaßnahmen informiert zu werden. Das Versäumnis, dieses Recht zu garantieren, untergräbt die Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit und gefährdet die Gesundheit aller.”

Natalia Zviagina
Direktorin für Russland bei Amnesty International

Am 3. April berichtete das Nachrichtenportal Meduza, dass Dr. Anastasia Wassiljewa, eine bekannte Augenärztin und Vorsitzende der russischen Ärztegewerkschaft Allians Vrachy (Ärztebündnis @alyansvrachy), in der Stadt Okulovka (Region Nowgorod) verhaftet und geschlagen wurde.  Wassiljewa und ihr Team waren in einer humanitären Mission unterwegs, um 500 Beatmungsgeräte sowie persönliche Schutzausrüstung (PSA) an zwei örtliche Krankenhäuser zu liefern. Das Ärztebündnis wird von dem russischen Oppositionsführer Alexej Navalny unterstützt (@navalny).

Einem Bericht der Interessenvertretung OVD-Info zufolge haben Polizeibeamte in Zivil am 2. April Wassiljewa geschlagen und gewürgt, angeblich wegen Verstoßes gegen kürzlich eingeführte Notstandsvorschriften, insbesondere Abschnitt 19.3 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten (Missachtung der rechtmäßigen Anweisungen von Polizeibeamten). Personen, die dieses Vergehens angeklagt sind, können bis zu 48 Stunden ohne Gerichtsverfahren in Haft gehalten werden. Wassiljewas Team wurde offenbar beschuldigt, gegen die Quarantänebestimmungen in dem Gebiet verstoßen zu haben.

Dinar Idrissow, ein Menschenrechtsaktivist, der Zeuge des Angriffs war, berichtet, dass Wassiljewa einen Schlag auf die Brust erhielt und das Bewusstsein verlor. Eine Krankenwagenbesatzung, die herbeigerufen wurde, konnte sich nur kurz um Wasiljewa kümmern. Die Gruppe wurde dann auf die Polizeistation gebracht. Sie wurden am Abend gegen 22.00 Uhr entlassen. Dr. Wassiljewa wurde jedoch sofort erneut verhaftet. Schließlich durfte sie 19 Stunden später, am 3. April, wieder gehen.  Nach zwei Gerichtsverhandlungen wurde sie zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 20 Dollar verurteilt.

“Es ging ihnen nicht um das Geld, es ging darum, mich zu brechen”, sagte Dr. Wassiljewa in einer Erklärung nach ihrer Freilassung. “Aber ich bin noch mehr davon überzeugt, dass wir das Richtige tun, und wir werden es auf jeden Fall weiterhin tun.”

Ende März war Dr. Wassiljewa vor Russlands mächtiges Untersuchungskomitee vorgeladen worden, nachdem ihre Gewerkschaft eine öffentliche Kampagne zur Sammlung von PSA zur Verteilung an russische Krankenhäuser gestartet hatte. Wassiljewa war eine scharfe Kritikerin des gravierenden Mangels an PSA und der Entscheidung der russischen Regierung gewesen, weiterhin wichtige medizinische Hilfsgüter ins Ausland zu schicken. Dr. Wassiljewa warnte auch wiederholt davor, dass das russische Gesundheitssystem auf die komplexen und weit verbreiteten Auswirkungen von Corona-Virusinfektionen nur kläglich vorbereitet sei.

Natalia Zviagina, Russland-Direktorin von Amnesty International, verurteilte Wasiljewas Inhaftierung scharf. “Es ist erschütternd, dass die russischen Behörden Kritik offenbar mehr fürchten als die tödliche COVID-19-Pandemie. Indem sie sie inhaftieren, legen sie ihr wahres Motiv offen – sie sind bereit, Angehörige der Gesundheitsberufe zu bestrafen, die es wagen, der offiziellen russischen Darstellung zu widersprechen und Mängel im öffentlichen Gesundheitssystem aufzudecken.”

Weiterführende Lektüre

The Moscow Times, “meet-the-activist-doctor-who-has-become-the-kremlins-loudest-coronavirus-critic”

 

PROF. DR. ANTHONY FAUCI – DR. ROBERT REDFIELD – DR. RICK BRIGHT (USA)

Quelle: nationalreview.com

“Nicht Sie bestimmen den Verlauf. Der Virus bestimmt den Verlauf.”

Dr. Anthony Fauci, Washington, D.C.

Mit 79 Jahren ist Dr. Anthony Fauci, ein führender Immunologe und Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, einer der erfahrensten Experten für öffentliche Gesundheit weltweit. Seit mehr als vierzig Jahren hat er die USA durch eine Reihe globaler Gesundheitskrisen geleitet, darunter die HIV-Aids-Epidemie der späten 1980er Jahre sowie die jüngsten Ausbrüche des Ebola- und Zica-Virus. Als aktuelles Mitglied der Corona-Virus-Taskforce der US-Bundesregierung ist er wieder einmal “Amerikas Arzt” geworden, wie es das Magazin The New Yorker in einem kürzlich erschienenen Porträt formulierte – eine beständige, beruhigende Präsenz in täglichen Briefings, die nüchterne und oft auch brutal ehrliche Fakten vermittelt.

Für das Pressekorps des Weißen Hauses und die Öffentlichkeit, die zu Hause zuschaut, erklärt, ergänzt und korrigiert Fauci die vielen irreführenden Aussagen von Präsident Trump und anderen US-Regierungsbeamten oft „live“. Diese Ehrlichkeit könnte ihn bald seinen Job kosten. Hinter den Kulissen ist Fauci Berichten zufolge häufig mit mehreren wichtigen Mitgliedern der Trump-Administration zusammengestoßen, insbesondere mit Peter Navarro, dem Sonderberater für Handels- und Produktionspolitik. Fauci hat deutlich gemacht, dass er sich nachdrücklich gegen die öffentliche Werbung für fragwürdige Behandlungen und Medikamente im Kampf gegen COVID 19 wendet, wie zum Beispiel Hydroxychloroquin, ein Medikament, das zur Behandlung von Lupus, Malaria und ähnlichen Krankheiten eingesetzt wird. Fauci und seine Kollegen haben wiederholt davor gewarnt, dass die Wirksamkeit des Medikaments bei der Behandlung von COVID 19 ungewiss ist und zusätzliche Tests erfordert. Dr. Faucis Bedenken scheinen berechtigt gewesen zu sein: Am 24. April gab die US Food and Drug Administration (FDA) eine dringende Warnung vor dem Einsatz des Medikaments wegen potenziell schwerwiegender kardialer Nebenwirkungen heraus.

In seinen öffentlichen Äußerungen war Fauci besonnen, aber unmissverständlich. Als Präsident Trump ankündigte, dass er hofft, die US-Wirtschaft bis Ostern (12. April) wieder in Gang bringen zu können, wies Fauci darauf hin, dass dies lediglich ein “Wunschtermin” sei – der Präsident stand nur wenige Meter entfernt. Konfrontiert mit Datenprognosen, die auf die Möglichkeit von Hunderttausenden von Todesopfern hindeuteten, wenn die Regeln des sozialen Abstandhaltens zu schnell außer Kraft gesetzt würden, gab Trump schließlich nach. Aber es gefiel ihm offensichtlich nicht. Genauso wenig gefiel es Trumps eifrigsten Anhängern, die Fauci auf Twitter und anderen sozialen Medien verbal attackierten und sogar physisch bedrohten, weil er es gewagt hatte, dem Präsidenten zu widersprechen. Die Situation wurde so ernst, dass das FBI beschloss, Fauci einen Personenschutz zu geben.

Dies hat Fauci jedoch nicht davon abgehalten, seine Stimme zu erheben. Als er am Osterwochenende gebeten wurde, sich dazu zu äußern, ob die USA besser auf die aktuelle Krise hätten vorbereitet sein sollen oder nicht, hielt sich Fauci nicht zurück: “Ich meine, natürlich könnte man logischerweise sagen, dass man Leben hätte retten können, wenn man einen kontinuierlichen Prozess hätte und früher mit der Eindämmung begonnen hätte”, sagte Fauci in einem Interview auf CNN. Dies veranlasste Präsident Trump, eine Botschaft eines Miglieds der Republikanischen Partei, die die Entlassung Faucis forderte, mit seinen eigenen 78 Millionen Twitter-Anhängern zu teilen: “Time to #FireFauci…” (Zeit Fauci zu feuern…).

Bis jetzt scheint Fauci unbeeindruckt. Sein Schwerpunkt liegt auf der Schaffung eines sicheren Weges, die US-Wirtschaft zu öffnen und gleichzeitig sicherzustellen, dass das Leben der Menschen nicht zusätzlich gefährdet wird. “Wir betrachten das Ganze vom rein gesundheitlichen Standpunkt aus”, erklärte Fauci. “Wir machen unsere Empfehlung. Oft wird diese Empfehlung angenommen. Manchmal nicht. Aber (…) es ist, wie es ist. Wir stehen da, wo wir jetzt sind. (…) Das ist eine Konsequenz, die man abwägen muss. Der Versuch, so viele Leben zu retten, wie man kann.”

Mehrere andere amerikanische Wissenschaftler und Ärzte sind ebenfalls unter Druck geraten. Als Robert Redfield, Direktor des American Center for Disease Control (CDC), in einem Interview mit der Washington Post am 21. April davor warnte, dass die nächste Welle von Corona-Virusinfektionen, die für den Herbst erwartet wird, noch “schwieriger” sein könnte als die gegenwärtige, beklagte Präsident Trump am nächsten Morgen in einem Tweet, dass man Redfield “völlig falsch zitiert” habe. Redfield hielt jedoch an seiner Warnung fest. Bei einem späteren Briefing im Weißen Haus erläuterte Redfield lediglich seine Bemerkungen etwas genauer, indem er erklärte, dass die zusätzlichen Probleme der Grippe und der Influenza den Umgang mit dem Corona-Virus im Herbst und Winter “noch schwieriger” machen würden. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass er von dem Reporter der Washington Post korrekt zitiert worden sei.

Noch am selben Tag behauptete Dr. Rick Bright, der eine Schlüsselposition in der offiziellen Pandemie Bekämpfung der Trump-Administration innehatte, in einem Interview mit der New York Times, dass er wegen seiner Weigerung entlassen worden sei, fragwürdige Medikamente und Behandlungen für das Corona-Virus gut zu heißen, die Präsident Trump zuvor angepriesenen hatte. “Ganz konkret und entgegen irreführenden Richtlinien beschränkte ich den breiten Einsatz von Chloroquin und Hydroxychloroquin, die von der Regierung als Allheilmittel propagiert werden, denen es aber eindeutig an wissenschaftlichem Wert fehlt,” sagte Bright gegenüber der Zeitung. Bright, der ehemalige Direktor der biomedizinischen Behörde für fortgeschrittene Forschung und Entwicklung Biomedical Advanced Research and Development Authority(Barda) des Bundesgesundheitsministeriums, wurde auf eine Position im National Institute of Health (NIH) zurückversetzt. Bright kündigte an, dass er eine offizielle Whistleblower-Beschwerde einreichen wird. “Ich melde mich zu Wort, weil zur Bekämpfung dieses tödlichen Virus die Wissenschaft – und nicht Politik oder Vetternwirtschaft – den Weg weisen muss.”

Weiterführende Lektüre

The New Yorker, “How Anthony Fauci became Americas Doctor”

Der Spiegel, “anthony-fauci-vs-donald-trump-das-corona-orakel”

 

SUCHARIT BHAKDI (Deutschland)

https://www.youtube.com/watch?v=UxaAgqBtn7A

“Als Emeritus der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und langjähriger Leiter des dortigen Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene fühle ich mich verpflichtet, die weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die wir derzeit auf uns nehmen, um die Ausbreitung des COVID-19 Virus zu reduzieren, kritisch zu hinterfragen.”

Prof. Dr. Sucharit Bhakdi

Auch in Deutschland wird weiterhin diskutiert, wie man der Ausbreitung von Covid-19-Infektionen am effektivsten entgegentritt. Allerdings hat die Diskussion einen etwas anderen Schwerpunkt. Wissenschaftler_innen und Rechtsexpert_innen debattieren immer heftiger darüber, ob die drastischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie wirklich gerechtfertigt und vertretbar sind, aus medizinischer, rechtlicher und sozialer Sicht. Kritische und kontroverse Stimmen wie die von Professor Sucharit Bhakdi, dem ehemaligen Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Mainz, erreichten bislang nur ein begrenztes Publikum. Ende März richtete Bhakdi einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, in dem er sie um Stellungnahme zu  einer Reihe spezifischer Fragen zur offiziellen Handhabung des Corona-Virusausbruchs bat. Bis jetzt hat das Büro der Bundeskanzlerin noch keine offizielle Antwort auf die Anfrage von Professor Bhakdi gegeben. Bhakdis Kritiker weisen darauf hin, dass seine Zweifel an der Gefährdung durch Covid-19-Infektionen zum Teil auf der großen Lückenhaftigkeit von zuverlässigen wissenschaftlichen Daten beruhen. Die Lücken würden zwar durchaus existierten, aber laut anderer Expert_innen rechtfertigt das an und für sich keine Lockerung der momentan geltenden Vorschriften.

Unterdessen schlagen Rechtsexperten Alarm wegen der langfristigen Auswirkungen von einer derartig schwerwiegenden Einmischung der Regierung in das Leben von Privatpersonen. Der prominente deutsche Rechtsanwalt und ehemalige Präsident der Internationalen Liga für Menschenrechte, Rolf Gössner, kritisierte in einem kürzlich in der Zeitschrift Ossietzky erschienenen Essay die mangelnde Transparenz und Eingrenzung der aktuellen wissenschaftlichen Debatte. Er warnt dazu vor den möglicherweise schwerwiegenden und dauerhaften Folgen der drastischen Einschränkungen von Grundrechten, die von den deutschen Behörden auf Bundes- und Kommunalebene als Reaktion auf die gegenwärtige Krise verhängt wurden. Darüber hinaus hat Gössner wiederholt auf die katastrophale Menschenrechtssituation in den Flüchtlingslagern in Griechenland aufmerksam gemacht und deren sofortige Schließung gefordert.

Zur weiteren Lektüre

You Tube, Offener Brief von Professor Sucharit Bhakdi an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel

Offener Brief von Prof. Dr, Sucharit Bhakdi an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (Text)

Computer und Netz, “Video im Faktencheck”

Rechtsanwalt Rolf Gössners Artikel in der Zeitschrift Ossietzky

Appell des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins zur Auflösung der Flüchtlingslager

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