* 8. Januar 1867 Boston Vereinigte Staaten
† 9. Januar 1961 Cambridge Vereinigte Staaten
Staatsangehörigkeit bei Geburt: Vereinigte Staaten
Staatsangehörigkeit bei Tod: Vereinigte Staaten
Land des Kampfes für die Menschenrechte: Vereinigte Staaten
Ort des Kampfes für Menschenrechte: USA, Europa, Kongresse, Konferenzen
Bereich Art Von Bis Ort
Beruf Wellesley College, Referentin für Wirtschaftswissenschaften 1896 1913 Wellesley, Mass., USA
Beruf Wellesley College, Professorin für Politische Ökonomie, Politik- und Sozialwissenschaften 1913 1917 Wellesley, Mass., USA
Ausbildung Studium u. a. bei Georg Simmel 1896 1896 Berlin
Schule Bryn Mawr College, Studium der griechischen und römischen Literatur 1886 1889 Bryn Mawr, Pennsylvania
Ausbildung Sorbonne, Studium der Volkswirtschaft 1890 1891 Paris, Frankreich
Ausbildung Harvard University, Ethik 1893 1894 Cambridge, Mass., USA
Ausbildung Chicago University, Soziologie und Volkswirtschaft 1895 1896 Chicago, USA

Settlement-Bewegung, Gründung eines Settlement-Haus in Boston Eintrittsjahr:

Ort: Boston
Eintrittsgrund: Soziales Engagement gegen Armut und Hunger, für gerechtere Bildungschancen
Funktion / Tätigkeit: Mitglied

Magistrat der Stadt Boston

Ort: Boston
Eintrittsgrund: Politisches Engagement für mehr soziale Gerechtigkeit für Kinder und Frauen sowie der Enwanderer
Funktion / Tätigkeit:

Staatskommission für Einwanderung

Ort: Boston
Eintrittsgrund: Sozial-politisches Engagement
Funktion / Tätigkeit: Mitglied

Komitee für Stadtplanung

Ort: Boston
Eintrittsgrund: Sozial-politisches Engagement
Funktion / Tätigkeit: Mitglied

Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit

Ort: Genf
Eintrittsgrund: Engagement für Frauenrechte und für Frieden
Funktion / Tätigkeit: Sekretärin und Schatzmeisterin bis 1922, ab 1931 Vorsitzende der amerikanischen Sektion, ab 1934 erneut Sekretärin und Schatzmeisterin, seit 1937 Internationale Ehrenpräsidentin als Nachfolgerin von Jane Addams

Andere

Emily Greene Balch war Vorkämpferin für Frauenrechte und Frauenwahlrecht in den USA. Als Ökonomin und Soziologin propagierte sie ein sozial gerechtes Wirtschaftssystem und engagierte sich in praktischer Sozialarbeit. Nationalismus und Militarismus lehnte sie kategorisch ab und setzte sich mit Beginn des Ersten Weltkrieges für eine globale Friedensordnung mit übernationalen Institutionen zur Verhinderung künftiger Kriege ein. 1946 wurde Emily, die sich als Weltbürgerin verstand, für ihren lebenslangen Einsatz mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Wie wurde die Geschichte bekannt?

Durch ihre Friedensmission in europäische Hauptstädte sowie durch die Verleihung des Friedensnobelpreises.

Wann wurde die Geschichte bekannt?

1946

Wo wurde die Geschichte bekannt?

Weltweit

Durch wen wurde die Geschichte bekannt?

Nobelpreiskomitee

Preise, Auszeichnungen

Friedensnobelpreis 1946

Literatur (Literatur, Filme, Webseiten etc.)

Lambert, Tara S. Emily Greene Balch Crusader for Peace and Justice. Huntington, WV: Marshall University Libraries, 2002.

Randall, Mercedes M. Improper Bostonian: Emily Greene Balch, Nobel Peace Laureate, 1946. New York: Twayne Publishers, 1964.

Schraff, Anne E. Women of Peace: Nobel Peace Prize Winners. Collective biographies. Hillside, N.J.: Enslow Publishers, 1994.

Sicherman, Barbara, and Carol Hurd Green. Notable American Women: The Modern Period: a Biographical Dictionary. Cambridge, Mass: Belknap Press of Harvard University Press, 1980.

Eigene Werke

Emily Greene Balch, Public Assistance of the Poor in France, Vol. 8, Nos. 4 & 5, Publications of the American Economic Association.

Emily Greene Balch, “A Study of Conditions of City Life: with Special Reference to Boston, A Bibliography”, 1903, 13 pages.

Emily Greene Balch, Our Slavic Fellow Citizens. 1910, 536 pages.

Women at the Hague: the International Congress of Women and its Results. Ed. by Jane Addams, Emily Greene Balch, and Alice Hamilton. 171 pages, New York: MacMillan, 1915.

Emily Greene Balch and Pauline Knickerbocker Angell, Approaches to the Great Settlement, 351 pages, published 1918.

Emily Greene Balch verfügte über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, gefördert durch Familie, Lehrer und Hochschullehrer. Sie besaß ein feines Gespür für soziale Ungerechtigkeiten, eine auch durch die religiöse Ausrichtung der Quäker geprägte Achtung vor dem Individuums und seiner Freiheit. Sie sah den Sinn ihres Leben darin, ihre Kraft und Energie einzusetzen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, die Welt lebenswerter und gerechter zu machen. Wesentlich war hierbei die Solidarität ihrer Mitstreiterinnen.
  • Persönlichkeit
  • Familiäres Umfeld
  • Religiöse Einstellung
  • Internationales Recht
  • Bildung
Menschenwürde
Geltung der Rechte für alle Menschen in allen Ländern und Gebieten unabhängig von ihrer internationalen Stellung
Gleichheit vor dem Gesetz
Recht auf soziale Sicherheit
Anspruch auf ausreichende Lebenshaltung, auf Sicherheit bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität, Verwitwung und Alter, Schutz für Mütter und Kinder
Recht auf Bildung und Ausbildung

EINLEITUNG

Emily Greene Balch war Vorkämpferin für Frauenrechte und Frauenwahlrecht in den USA. Als Ökonomin und Soziologin propagierte sie ein sozial gerechtes Wirtschaftssystem und engagierte sich in praktischer Sozialarbeit. Nationalismus und Militarismus lehnte sie kategorisch ab und setzte sich mit Beginn des Ersten Weltkrieges für eine globale Friedensordnung mit übernationalen Institutionen zur Verhinderung künftiger Kriege ein. 1946 wurde Emily Greene Balch, die sich als Weltbürgerin verstand, für ihren lebenslangen Einsatz mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

DIE GESCHICHTE

Emily Greene Balch (1867-1961)
Weltbürgerin, Pazifistin, Feministin

 

Emily Greene Balch war eine internationale Friedensaktivistin, Ökonomin und Sozialreformerin. 1946 erhielt sie den Friedensnobelpreis für ihren lebenslangen Einsatz gegen Militarismus, für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Dieses Engagement hatte sie bereits 1918 veranlasst, sich öffentlich gegen einen Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg zu positionieren. Auf Grund dieses Engagements verlor sie im selben Jahr ihren Lehrauftrag für Volkswirtschaft und Soziologie am Wellesley College in der Nähe ihrer Heimatstadt Boston, einer 1870 gegründeten Privathochschule für Frauen, die es sich in patriarchalischem Gesellschaftsumfeld zum Ziel gesetzt hatte, Frauen gleiche Bildungsmöglichkeiten zu gewähren.[1]

Sie war Mitbegründerin der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF, Gründung 1915), die älteste internationale Frauen-Friedensorganisation der Welt, die heute Beraterstatus bei den Vereinten Nationen besitzt und von derzeit etwa 12.000 weltweit aktiven Mitgliedern getragen wird.[2]

Emily Greene Balch ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Ihr internationaler Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte, gegen Nationalismus, Rassismus und Militarismus besitzt indes aktuelle Relevanz.

Soziale Gerechtigkeit – Prägungen

Emily Greene Balch wurde am 8. Januar 1867 in Boston, Massachusetts, als zweites von sechs Kindern geboren. Die Familie gehörte zur liberalen Bostoner Bildungselite, die Mutter war Lehrerin. Ihr verdankte sie frühe prägende Lektionen in Selbstreflektion; im Alter von acht Jahren erzählte sie ihr, sie könne eine Mitschülerin nicht leiden, da diese stets die erste sein wolle. Die Frage ihrer Mutter, ob das daran liegen könne, dass sie selbst die erste sein wolle, löste in ihr, so Emily rückblickend, einen „ersten Akt eines Selbst-Erkennens“ aus. Fortan, so rückblickend, habe sie stets einen Blick auf sich selbst geworfen, bevor sie ein Urteil über andere gefällt habe.[3]

Weitaus größeren Einfluss auf Emilys Denken, ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn sowie ihr späteres soziales Engagement hatten indes die Positionen des Vaters. Der Jurist Francis Balch war Sekretär Senator Charles Sumners (1811-1874), der sich, Jura-Absolvent in Harvard und konsequenter Gegner der Sklaverei, bis zu seinem Tod für die bürgerlichen Rechte der afroamerikanischen Bevölkerung eingesetzt hatte.[4] Die Sklaverei wurde am 18. Dezember 1865 auf dem gesamten Staatsgebiet der USA formal abgeschafft. Menschen nach ethnischen Kriterien zu kategorisieren, war dem Denken des Vaters fremd, sein Altruismus prägte sie grundlegend.[5]

1886 trat sie in das ein Jahr zuvor gegründete private Bryn Mawr College[6] für Frauen in Pennsylvania ein und graduierte sich 1989 mit dem ersten Abschlussjahrgang in Sozialwissenschaften und Ökonomie. Diese Fächerkombination ist Ausdruck ihres über die Familie grundgelegten Gerechtigkeitsempfindens, ihrer daraus resultierenden Fokussierung auf sozialen Ausgleich, ihres Strebens nach einer sozial gerechten Gesellschaft. Woodrow Wilson (1856-1924), von 1913 bis 1921 Präsident der USA, unterrichtete zwischen 1885 und 1888 an Bryn Mawr und war einer ihrer Lehrer.

Ein Stipendium des College ermöglichte ihr einen einjährigen Studienaufenthalt (1890-1891) in Frankreich, wo sie unter anderem bei dem Historiker und Wirtschaftswissenschaftler Pierre Emile Levasseur (1828-1911) studierte, der am prestigeträchtigen Collège de France in Paris den Lehrstuhl für Staatsökonomie innehatte. Von diesem beeinflusst verfasste sie ihre erste Monographie über die öffentliche Armenfürsorge in Frankreich, eine historische Abhandlung über die Entwicklung staatlicher, kirchlicher und gesellschaftlicher Institutionen der Armenfürsorge in Frankreich.[7]

Die Frage der sozialen Gerechtigkeit steht nicht nur im Zentrum ihrer weiteren akademischen Arbeit, sie bestimmte auch ihr gesellschaftliches Engagement der kommenden Jahre, nachdem sie bedauert hatte, sich während ihres Studienaufenthaltes in Frankreich lediglich auf theoretisch-abstrakter Ebene mit Armut auseinandergesetzt zu haben, ohne je Betroffenen begegnet zu sein. Ihr bisher erworbenes Wissen sei „völlig aus zweiter Hand und unwirklich.“[8]

Einen Wendepunkt in ihrem bisherigen Leben markieren hierbei die Begegnungen mit Jane Addams (1860-1935) und Katharine Coman (1857-1915) nach ihrer Rückkehr in die USA 1992. Die Feministin Jane Addams war Soziologin, arbeitete in den 1920er Jahren als Journalistin, engagierte sich für Pazifismus und in sozialen Projekten der Armenfürsorge. Die soziale Frage der Industrialisierung stand im Zentrum ihres wissenschaftlichen Interesses und ihres politischen Engagements, nachdem sie mit der Verelendung des Industrieproletariats in Chicago konfrontiert worden war. Die nachhaltige Bekämpfung von Armut und Hunger wurden zu ihrer zentralen Lebensaufgabe. Die Sozialreformerin, die einen jahrelangen Kampf gegen Kinderarbeit und für Schulpflicht geführt hatte, engagierte sich ab 1914, dem Beginn des Weltkriegs in Europa, gegen jede Form von Militarismus und kritisierte 1917 den Kriegseintritt des USA scharf. Auch Addams war Mitbegründerin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. 1931 erhielt sie für ihr Engagement als erste Amerikanerin den Friedensnobelpreis.[9]

Großen Einfluss auf die weitere Entwicklung Emily’s hatte auch die Historikerin, Ökonomin und Soziologin Katharine Coman, die als sozialkritische Autorin und Unterstützerin der amerikanischen Arbeiterbewegung hervortrat und einen Lehrauftrag am Wellesley College innehatte.[10]

Jane Addams und Katharine Coman fokussierten ihre Arbeit zu Beginn der 1890er Jahre auf die Etablierung so genannter settlement houses. Im Rahmen der in den 1880er Jahre in Großbritannien entstandenen Settlement-Bewegung, die sich schnell auch auf die USA ausweitete, ließen sich Angehörige der bürgerlichen Bildungsschicht in Elendsvierteln nieder, ihre Häuser wurden zu Anlaufstationen für das verarmte Industrieproletariat. Die Einrichtungen boten rechtliche Beratung, im Zentrum standen jedoch Bildungsangebote mit dem Ziel, Selbsthilfekräfte der Arbeiterschaft durch Bildung und Wissen zu aktivieren und Klassenschranken zu überwinden.

1889 gründete Jane Addams Hull House, das erste Settlement-House in Chicago. Die sozial- und bildungspolitische Einrichtung hatte das Ziel, an einer politischen Veränderung der Ursachen von Armut und Unterdrückung zu arbeiten, die bislang übliche Praxis des Almosen-Gebens durch eine auf strukturelle Veränderungen abzielende soziale Arbeit zu ersetzen.[11]

Die praxisbezogene Sozialarbeit war von großer Bedeutung für Emily, die sich in der Folge in einem der Settlement-Häuser engagierte und 1892 in Boston ein weiteres Haus nach Chicagoer Vorbild mitbegründete, dessen Bildungs- und Hilfsangebote sich jedoch vor allem an Immigranten richteten; nachgerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stieg der Zahl der Einwanderer aus Europa stark an. Die interkulturelle Kommunikation mit Migranten aus unterschiedlichen Ländern und die damit verbundene Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen sollte für ihren weiteren Weg noch einige Bedeutung erlangen.

Zunächst jedoch kehrte Emily Greene Balch zur Forschung zurück. Sie ging davon aus, auf diesem Feld nützlicher sein zu können als in praktischer Arbeit. Hier scheint auch ein wesentliches Topos ihres Denkens auf, in dem ihre Nützlichkeit für die Gemeinschaft vor dem Hintergrund ihres privilegierten Status qua Geburt breiten Raum einnimmt, einer dienenden Funktion für die Gesellschaft, vor allem für deren Benachteiligte, wesentliche Bedeutung beikommt. Nach einem weiteren einjährigen Studienaufenthalt in Europa, diesmal in Berlin, bei dem sie zahlreiche Kontakte für ihre weitere Laufbahn knüpfte, erhielt sie 1896 eine Professur in Ökonomie an ihrer früheren Akademie, dem Wellesey-College, und übernahm zusätzlich Lehraufträge in Sozialwissenschaften.

Entscheidend ist hierbei, dass sie Volkswirtschaft und soziale Frage im Sinne klassentheoretischer Ansätze Karl Marx’ verknüpfte, aufgrund ihres bereits ausgeprägten pazifistischen Ansatzes einen Klassenkampf allerdings ablehnte. Über Bildung der Arbeiterschaft sollten gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Partizipation und Durchlässigkeit der Klassengrenzen erreicht werden.

Im Mittelpunkt ihrer Lehrveranstaltungen standen denn auch Fragen nach Zusammenhängen zwischen Einwanderung in die USA, industrielle Arbeit und Armut. Sie ging dabei von der These aus, dass ein kapitalistisches Wirtschaftssystem naturgemäß Ausbeutung und Armut produziere, wenn es nicht durch intervenierende staatliche Sozialpolitik eingehegt und Sozialarbeit, die auch von außerstaatlichen Institutionen geleistet werden könne, flankiert sei. Im Zentrum ihrer Seminare stand hierbei die Geschichte des Sozialismus, wobei sie auf grundlegende Reformen zur Partizipation der unteren Schichten an der Wirtschaftsleistung setzte.[12]

In ihren Lehrveranstaltungen befassten Studentinnen sich mit sozialistischer Wirtschaftstheorie und möglichen Strukturen sozialer Sicherungssysteme. Diskutiert wurden hierbei die Einführung und Ausgestaltung von Sozialversicherungen, die Einrichtung von Wohnheimen für Arbeiterinnen und Volksküchen, das Verbot von Kinderarbeit sowie die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, ergänzt durch weiteren Ausbau der Erwachsenenbildung. Sie ermutigte ihre Studentinnen, die Lebensbedingungen in den Elendsvierteln vor Ort zu untersuchen und Freiwilligenarbeit in den Settlement-Häusern zu leisten, während sie auch selbst weiterhin sozialer Arbeit nachging.

Sie thematisierte die Frage nach Mitbestimmung der Arbeiterschaft, der sozialen Absicherung, Verbesserung der Durchlässigkeit sozialer Schranken vor allem durch Bildung, Kinderschutz und Stärkung der gesellschaftlichen Mitsprache. Hierbei rückte sie das Wahlrecht für Frauen zunehmend in den Mittelpunkt ihrer Lehrveranstaltungen, das in den USA nach langen Auseinandersetzungen zunächst in einzelnen Bundesstaaten, auf nationaler Ebene erst 1920 durchgesetzt wurde.[13] Angesichts des zunehmenden Einwanderungsdrucks auf die USA um die Jahrhundertwende wandte sie sich strikt gegen eine ethnische Kategorisierung von Immigranten und Tendenzen eugenischer Selektion, der Auslese nach Kriterien des Erbguts, die auch in den USA an Einfluss gewannen.[14]

Ihre theoretischen Studien waren hierbei stets von praktischer Arbeit, vor allem in den Settlement-Houses begleitet und verstärkten im Lauf der Jahre ihr gesellschaftliches Verantwortungsgefühl und ihre Überzeugung von der Notwendigkeit umfassender sozialer Veränderungen.[15]

Kein Friede ohne soziale Gerechtigkeit – Women’s Peace Party (1914)

Eine transnational aktive Friedensbewegung existierte bereits vor dem Ersten Weltkrieg. Die Pazifisten jener Tage hatten klare Vorstellungen von einem friedlichen Zusammenleben der Völker und Nationen, Friede bedeutete für sie mehr als (vorübergehendes) Nicht-Stattfinden von Krieg. Militärische Gewalt in den internationalen Beziehungen sollte durch übernationales Recht, durch die Ausbildung eines Völkerrechts gebannt, nationale Interessen einem Gemeininteresse der Völker untergeordnet werden.

Der nach dem Ersten Weltkrieg etablierte Völkerbund (1920-1946), die erste internationale Institution zur Sicherung des Weltfriedens und Vorläufer der Vereinten Nationen, trug diesen Ansätzen teilweise Rechnung, war jedoch mit zu geringer internationaler Autorität ausgestattet, um tatsächlich Kriege verhindern zu können. Das Streben nach Kompromissen sollte das Denken in den Kategorien „Sieg“ und „Niederlage“ zurückdrängen, Nationalismus und Militarismus sollten überwunden werden.[16]

Diese Ansätze der länderübergreifenden agierenden pazifistischen Bewegung bilden auch das Fundament für das Friedens-Engagement von Jane Addams und Emily Greene Balch, die in ihrer Friedensarbeit weitaus mehr als politisches Engagement zur Verhinderung konkreter bewaffneter Konflikte sahen. Eine Politik, die allein die Möglichkeit der Kriegsführung einschließt, stand für sie, wie auch für Jane Addams, in ethisch-moralischem Widerspruch zu einer sozialen und gerechten Gesellschaft. Balch ging vielmehr davon aus, dass, sowohl innerhalb einer Gesellschaft als auch international, dauerhafter und vertrauenswürdiger Fortschritt hin zu Gerechtigkeit nicht möglich sei, solange Krieg eine Option der Politik sei. Die ökonomische Ausrichtung auf die mögliche Führung eines Krieges mache eine Umgestaltung zu einer Volkswirtschaft, die an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet sei, unmöglich.[17]

Den Ausbruch des Krieges in Europa 1914 empfand Emily als gewaltsamen Rückschlag für ihren Einsatz für soziale Veränderung, sie erlebte ihn als fundamentalen Einschnitt. In der Folge verlagerte sie ihr ganzes Engagement auf die Friedensarbeit.

Dies fand zunächst Ausdruck in zahlreichen Diskussionskreisen mit einer Gruppe von Sozialreformern, woraus die 1920, unter anderem von Jane Addams gegründete und noch heute existierende American Civil Liberties Union(ACLU) hervorging. Die ACLU tritt für Menschen- und Bürgerechte ein und verlagert seit Beginn der Präsidentschaft Donald Trumps (geb. 1946, Präsident der USA seit Januar 2017) die Schwerpunkte ihres Engagements zunehmend auf die Rechte von Geflüchteten und Immigranten aus Lateinamerika.

Emily war neben Jane Addams auch an der Gründung der Women’s Peace Party (WPP) beteiligt, die als direkte Reaktion auf den Beginn der bewaffneten Auseinandersetzung in Europa erfolgte. Es war dies die erste US-amerikanische Friedensorganisation, die unmittelbare Protestformen wie Demonstrationen anwandte. Die WPP war auch die erste Organisation, die Pazifismus und Feminismus verknüpfte.[18] Auf einer im Januar 1915 in Washington D.C. abgehaltenen Gründungskonferenz trafen etwa 3000 Frauen von unterschiedlichen Organisationen zusammen, die sich jedoch in zentralen Punkten einig waren, darunter auch bezüglich der Forderung nach diplomatischer Vermittlung zwischen den europäischen Kriegsparteien, nach Etablierung von Institutionen zur Rüstungskontrolle und -beschränkung sowie nach demokratischer Kontrolle der Außenpolitik bei Einführung des Frauenwahlrechts. Jane Addams wurde zur Präsidentin der WPP gewählt.[19]

In ihrem Gründungsmanifest erklärten die Aktivistinnen, dass sie gemeinsam mit allen Pazifisten Krieg als geplanten, legalisierten, Massenmord und damit als das schwerste aller Verbrechen begreifen. Als Frauen verstanden sie sich im Besonderen als Hüterinnen des Lebens, die nicht länger bereit seien, dessen verantwortungslose Vernichtung zu dulden. Sie seien ebenso besonders verantwortlich für die Zukunft der Kinder, für die Sorge um die Hilfsbedürftigen und Benachteiligten und nicht länger ohne Protest bereit, die zusätzliche Bürde durch Verstümmelte, Invalide, der Armut preisgegebene Witwen und Waisen zu tragen, die jeder Krieg Frauen auferlege. Überdies nähmen sie nicht länger protestlos hin, dass durch Krieg innerhalb weniger Stunden soziale Strukturen zerstört würden, die über Generationen aufgebaut worden seien.

Jede Generation von Frauen sei dazu aufgerufen, während ihres Lebens zu versuchen, die Menschheit ein wenig besser zu machen. Als menschliche Wesen und Mütter der Menschheit forderten sie das Recht, an Entscheidungen über Krieg und Frieden auf allen Ebenen beteiligt zu werden.[20]

Die Tagung der 3000 Frauen und ihr Manifest fanden in der von Männern dominierten Gesellschaft der USA jener Zeit wenig Resonanz. Aber ein erster Schritt war getan.

International Congress of Women (1915)

1913 erhielt Emily Greene Balch einen Fünfjahresvertrag als Professorin an der Fakultät für Ökonomie und Sozialwissenschaft am Wellesley College. Sie trat damit die Nachfolge ihrer langjährigen Freundin Katharine Coman an, die ihre Lehrtätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Sie ließ sich aber sogleich beurlauben. Zusammen mit Jane Addams und einer Reihe weiterer Wellesley-Absolventinnen reiste sie nach Europa, um im niederländischen Den Haag zwischen 28. und 30. April 1915 an einem historisch bis dato einzigartigen Weltkongress, dem International Congress of Women teilzunehmen. Etwa 1500 Frauen aus zwölf, zum Teil verfeindeten Nationen fanden sich zusammen, um den Krieg wenn möglich durch Vermittlung zu stoppen und Konzepte zur Verhinderung künftiger Kriege zu entwickeln. Wesentlich mehr Frauen waren erwartet worden, doch mehrere Regierungen der kriegführenden Parteien erschwerten die Ausreise aus den jeweiligen Ländern.

Als organisatorische Plattform der Konferenz diente das internationale Jahrestreffen der International Women Suffrage Alliance (IWSA), die auf internationaler Ebene, vor allem aber in Großbritannien und den USA, für Frauenrechte und das allgemeine Frauenwahlrecht kämpfte.[21] Der Beginn des Krieges veranlasste die Teilnehmerinnen, die Agenda des Kongresses zu ändern und eine Friedensinitiative auf den Weg zu bringen.

Die Forderungen der Frauen weisen weit über den Horizont der Zeit hinaus: So verlangten sie einen sofortigen Vermittlungsversuch der zu diesem Zeitpunkt neutralen Staaten sowie, zur Verhinderung künftiger Kriege, die Etablierung einer ständigen internationalen Organisation als Vermittlungsinstanz und einen ständigen internationalen Gerichtshof zur langfristigen Friedenssicherung. Erstmals formulierten sie Protest gegen Massenvergewaltigungen als Mittel der Kriegsführung. Des Weiteren forderten sie internationale Kontrolle des Waffenhandels. Eine unmittelbare Wirkung ihrer Forderungen erwarteten sie allerdings nicht.[22]

Der Kongress beschloss darüber hinaus, ein ständiges internationales Friedenskomitee mit Sitz in Den Haag zur dauerhaften Weiterführung internationaler Friedensarbeit zu schaffen. Aus dem Komitee ging 1919 die Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF) hervor.[23] Ebenso sollten Delegationen zu den einzelnen europäischen Regierungen gesendet werden, um die in Den Haag formulierten Forderungen zu überreichen.

Hierbei spielte Emily eine Schlüsselrolle. Sie führte eine Abordnung nach London, Berlin, in die skandinavischen Länder und nach Russland, begleitet von Mitstreiterinnen aus kriegführenden sowie neutralen Nationen.[24] Wohin sie auch kamen, fand ihre Friedens- und Vermittlungsbotschaft in der öffentlichen Meinung wenig Sympathie. Nationalismus, 1915 noch vorherrschende Kriegsbegeisterung, Empörung über tatsächliche oder vermeintliche Gräueltaten des Feindes, Rachegedanken – wenige Tage vor ihrer Ankunft in London war ein englisches Passagierschiff mit Frauen und Kindern an Bord von deutschen U-Booten versenkt worden[25] –, Siegesgewissheit und Patriotismus beherrschten die allgemeine Stimmungslage und ließen für die Mission der Pazifistinnen wenig Raum. Zahlreiche pazifistische Organisationen existierten nicht mehr, waren untergegangen in einer, wie Jane Addams sich ausdrückte, Flut des Militarismus versunken.[26]

Die Akademikerinnen, in Europa wie auch in den USA nach wie vor Ausnahmeerscheinungen, wurden auf Regierungsebene in den jeweiligen Ländern indes freundlich empfangen. Man schenkte ihren Positionen Gehör, greifbare Ergebnisse zeitigten die Delegationen nicht. Eine Vermittlungsinitiative neutraler Staaten kam nicht zustande.

Zurück in den USA, kam es Emily zu Gute, am Bryn Mawr College Schülerin des nunmehrigen Präsidenten Wilson gewesen zu sein. Mehrere Male traf sie mit ihm zusammen, übergab die Resolution des Kongresses und bedrängte den Präsidenten, Vermittlungsbemühungen in die Wege zu leiten. Sie versuchte, Wilson davon zu überzeugen, einen Mediationsprozess zu initiieren, getragen von den neutralen Staaten Schweden, den Niederlanden und den USA, der langfristig in eine übernationale Organisation zur Konfliktbeilegung und Verhinderung künftiger Kriege überführt werden sollte. Der Präsident zeigte sich offen, studierte die Texte des Kongresses und konstatierte, die äußerst fundierten Vorschläge lägen hier in der bestmöglichen Formulierung vor. Die Idee einer internationalen Institution fand schließlich drei Jahre später Eingang in Wilsons 14-Punkte-Programm, das er am 8. Januar 1918 vor dem US-Kongress als Grundlage eines für alle Seiten annehmbaren Friedensschlusses vorstellte.[27]

Wenngleich die Delegationen der Pazifistinnen nicht unmittelbar zu einer konkreten Umsetzung der Forderungen des Kongresses in den Haag führten, so bewirkten sie doch, dass die dort formulierten Positionen eine breitere internationale Öffentlichkeit erreichten. An alle Frauen weltweit gewandt, sagte Emily Greene Balch, Frauen dürften es von nun an nicht mehr wagen, zu glauben, sie trügen keine Verantwortung, da sie keine politische Macht besäßen. Die öffentliche Meinung sei ein Machtfaktor ebenso wie Entschlossenheit. Entschlossenheit, mit ihren Zwillingsschwestern Glaube und Vision, stelle eine Macht dar.[28]

Mit Kriegseintritt der USA am 6. April 1917 änderte sich das gesellschaftliche und innenpolitische Klima in den USA, nachdem Befürworter eines militärischen Engagements seit 1914 zunehmend an Einfluss gewonnen hatten. Waren die Pazifistinnen bislang weitgehend ignoriert worden, galten ihre Positionen jetzt als unpatriotisch, unamerikanisch. Friedensdemonstrationen wurden ab 1917 in den USA immer öfter verboten. Jane und Emily wurden nach Kriegseintritt zu innenpolitischen Gegnerinnen des Staates, ihr Kampf für soziale Gerechtigkeit und Frieden zu Widerstand.

Emily verlor ihre Stelle an der Universität und ihre Lehraufträge. Zwar stammte sie aus begüterter Familie, hatte jedoch einen Großteil ihres Vermögens der Settlement-Bewegung zur Verfügung gestellt und war auf Erwerbsarbeit angewiesen. Mit dem Kriegseintritt der USA stand ihr Einsatz für Frieden unter dem Zeichen der Illoyalität, ihr Name tauchte auf amtlichen Listen sogenannter „Subversiven“ auf.[29] Sie erfuhr, wie auch Jane Addams, berufliche und gesellschaftliche Ausgrenzung für das Engagement, für das sie 28 Jahre später den Friedens-Nobelpreis erhalten sollte.

Zwischen den Kriegen

Zwar bemerkte Emily zu ihrer Entlassung durch die Universität lakonisch, sie habe „die bekannte Liberalität des Wellesley College wohl überstrapaziert.“[30] Dennoch scheint sie die berufliche, mehr noch die gesellschaftliche Ausgrenzung sehr belastet zu haben. Sie litt darunter, mit ihrer Haltung „alleine dazustehen und standzuhalten angesichts einer Woge der Kriegsbegeisterung.“[31]

1919 beteiligte sie sich an der Gründung der WILPF, wurde zur Schatzmeisterin und Sekretärin der Liga gewählt, Jane Addams zur Präsidentin. Die Organisation richtete ihren Hauptsitz in Genf ein, wo Emily ihr Engagement zwischen 1922 und 1925 fortsetzte. Das Profil ihrer Werte und Positionen gewinnt in dieser Phase weiter Kontur und Klarheit. Noch deutlicher verknüpfte sie Unterdrückung und Ausgrenzung auf Grund des Geschlechts, der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit oder einer sozialen Schicht mit Militarismus und Imperialismus, zu deren Grundprinzip die Unterordnung einer Gruppe unter eine andere gehörte. Der Kampf für soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte war für Emily somit untrennbar mit dem Engagement für einen Frieden verbunden, der mehr bedeutete als Nicht-Krieg, mehr als eine Feuerpause zwischen zwei Kriegen in einer von Militarismus und Machtstreben dominierten Welt.

Nationale Regierungen sollten, so die Idee, Teile ihrer Souveränität an eine überstaatliche Institution abgeben. Den 1920 gegründete, maßgeblich von Woodrow Wilson initiierte Völkerbund, der bei zwischenstaatlichen Konflikten die Funktion eines Schiedsgerichts übernehmen, Mechanismen zur Abrüstung und ein System dauerhafter Sicherheit etablieren sollte, betrachteten Emily und ihre Mitstreiterin zwar als vielversprechenden Schritt, aber als zu schwach.

Zum einen traten ihm die USA nie bei, die Sowjetunion, Italien und Japan waren nur zeitweise vertreten, Deutschland wurde als Verlierer des Krieges erst 1926 aufgenommen. Die nationalsozialistischen Aufrüstungsbestrebungen waren mit den grundlegenden Zielen des Völkerbundes nicht vereinbar, das Regime nutzte 1933 auch die erstbeste Gelegenheit, aus der für seine Kriegs- und Großmachtpläne hinderlichen Institution auszutreten. Der Völkerbund konnte die in ihn gesetzten Erwartungen schließlich nicht erfüllen.

Für die Aktivistinnen der WILPF konnte der Völkerbund ohnehin nur Auftakt zur Etablierung einer internationalen Institution mit sehr viel weitreichenderen Kompetenzen sein. Überwindung von Nationalismen, Etablierung einer Weltregierung, eine demokratische Weltgesellschaft – die Einrichtung des Völkerbundes konnte nur ein erster Schritt auf einem langen, beschwerlichen Weg sein.

Die Idee einer gerechten globalen, demokratischen Gesellschaft mit gleichen Rechten für Frauen, für unterschiedliche Ethnien, soziale Gerechtigkeit durch Bildung und eine an den Bedürfnissen der Menschen, nicht an Gewinnmaximierung einiger Weniger orientierten Wirtschaft, die Überwindung des Nationalen bei Etablierung einer übernationalen, starken Instanz, wurde von Jane Addams, Emily und ihren Mitkämpfern stets als Utopie gesehen und benannt, jedoch als Utopie, die es langfristig zu realisieren galt, wollte man dauerhaften Frieden erreichen.

Die Verbindung von Feminismus, Pazifismus und sozialer, volkswirtschaftlicher Umgestaltung schuf indes auch Angriffsfläche. Eine Liste mit 62 Namen „gefährlicher, destruktiver und anarchistischer Individuen“, die der militärische Geheimdienst im Januar 1919 an den Senat leitete, enthielt auch die Namen von Jane und Emily. Ein Report des Geheimdienstes von 1920 über „revolutionären Radikalismus“ erwähnte die beiden Damen explizit und bezeichnete sie, da sie sich gegen den Kriegseintritt der USA 1917 positioniert hatten, als Agenten des imperialen Deutschland und der Sowjetunion, die das Ziel hätten, nicht nur die US-Regierung zu stürzen, sondern vielmehr die abendländische Zivilisation und die Christenheit zu vernichten. Auch die WILPF wurde 1923 als subversiv eingestuft.[32]

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland, dem Austritt des Regimes aus dem Völkerbund, der Aufkündigung des Versailler Vertrages gefolgt von massiver Aufrüstung relativierte Emily ihre Grundposition eines bedingungslosen Gewaltverzichts. Als alle diplomatischen Bemühungen, einen weiteren Krieg zu verhindern, gescheitert waren und das NS-Regimes mit seiner ihm innewohnenden Dynamik einen weltanschaulichen Vernichtungskrieg entfesselte, gelangte Emily zu der Erkenntnis, dass künftig eine übernationale Institution zur Verhinderung von Kriegen auch mit militärischer Macht ausgestattet sein müsse, um Unrechtsstaaten notfalls auch mit Gewalt in Schranken verweisen zu können.

An der gesellschaftlichen und beruflichen Ausgrenzung Emilys in den USA änderte sich indes nichts. Als sie 1946 im Alter von 78 Jahren mit dem Friedensnobelpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, gratulierten nicht zuletzt vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Ost-West-Konflikts und des aufkeimenden Anti-Kommunismus in den USA weder Präsident Harry Truman (1884-1972) noch ein anderes Mitglied der US-Regierung.

Friedensnobelpreis (1946)

Nach Jane Addams im Jahr 1931 erhielt Emily Greene Balch als zweite US-Amerikanerin den Friedensnobelpreis.  Das Komitee zeichnete sie für „ihren Mut, ihre Klarsicht und ihren Einsatz für die Menschen, unabhängig von Rasse, Religion, Klasse, Geschlecht oder Nationalität“ aus. Sie habe das Beste getan für „die Brüderlichkeit unter den Nationen, für die Abschaffung oder Reduktion von Armeen und für das Abhalten und die Förderung von Friedenskonferenzen.“ Sie betrachte sich als „Patriotin der Welt, ihres Vaterlandes.“[33]

In Ihrer Dankesrede, die sie auf Grund einer Erkrankung erst zwei Jahre später halten konnte, legte Emily Green Balch ihre Haltung in aller Deutlichkeit dar[34]:

Die Gefahren einer geteilten Welt der Nationalismen seien leidvoll erfahren, analysiert und vielfach diskutiert worden, nach zwei Weltkriegen sei die Einsicht in die Notwendigkeit, neue Wege zu finden, die über nationale Grenzen hinweg zu einer Einheit der Menschheit mit gleichen Rechten in Freiheit führen, stark gewachsen. Sie sei sich darüber im Klaren, dass die Idee eines friedlichen Zusammenlebens von Weltbürgern indes nur sehr schwer zu realisieren sei. Wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges erlebe sie bereits wieder zunehmend Trennendes, scheinbar Unvereinbares, Abgrenzung, ideologische Frontstellung und Kampf um Vorherrschaft. Nationalismen gewännen bereits wieder die Oberhand.[35]

Die sich zu diesem Zeitpunkt herausbildende Ost-West-Polarisierung sieht sie hierbei lediglich als ein – allerdings gravierendes – Problem neben anderen:

Sie verweist auf den Drang nach persönlicher Freiheit als zentrale gestaltende Antriebskraft der Geschichte. Kampf gegen Tyrannei, Revolte gegen Autoritäten habe stets geistigen Fortschritt und Selbstvertrauen des Individuums gefördert, frische Luft in die Gesellschaften gelassen, das Denken durch neue Perspektiven bereichert und Gesellschaft und Kultur vorangebracht.

Ein weiteres Mal wendet sie sich gegen das Nationale als Prinzip. Eine Weltregierung, so Emily, stelle sie sich als ein Gebilde nach schweizerischem und amerikanischem Vorbild mit legislativen, exekutiven und judikativen Gliederungen vor. Diese Institution solle Konflikte moderieren, Kriege verhindern und lediglich maßvolle sowie streng begrenzte militärische Macht an nationale Autoritäten delegieren. Eine solche Institution müsse mit mehr Macht ausgestattet sein als die UNO es derzeit sei, die sich allerdings auf gutem Wege in diese Richtung befinden könne, wenn es denn politisch von den maßgeblichen Staaten gewollt sei. Sie sei sich indes im Klaren, dass dies ein langer Weg sei, die UNO befinde sich gerade einmal in einer ersten Testphase, wenngleich es ein Wunder sei, dass die Etablierung der Institution überhaupt nach den umfassenden Zerstörungen des letzten Krieges zustande gekommen sei. Sie halte an der Vision einer geeinten Welt fest, kenne indes die Herausforderungen und sei überzeugt, dass ein Glaube oder eine Idee, die nicht herausgefordert würden, bereits auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit seien.[36]

Es sei zunächst zentral, internationale Kooperationen und Verflechtungen in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur zu schaffen, über internationale Zusammenarbeit Vertrauen aufzubauen und mit Offenheit auf unterschiedliche Perspektiven, Ziele unter Interessen zu reagieren. Aus Emilys Sicht ist Diversität sogar notwendig: Denn aus Fäden, die alle in die gleiche Richtung laufen, könne nichts Dauerhaftes gewoben werden.[37]

Nachwirkungen

Emily Greene Balch war Theoretikerin, Praktikerin und Aktivistin. Sie setzte sich für einen internationalen, fortschreitenden Dialog zwischen Nationen auf der Grundlage wechselseitigen Respekts und der Empathie für kulturelle Unterschiede zu einem Zeitpunkt ein, zu dem die Entwicklung eines modernen Völkerrechts am Anfang stand und übernationale Institutionen der Konfliktbeilegung und Schlichtung nur in Ansätzen existierten beziehungsweise ab 1922 mit der Etablierung des Völkerbunds im Entstehen begriffen waren.

Ihr Verständnis für die Verschiedenartigkeit von Individuen, sozialen Gruppen und Kulturen, für unterschiedliche Sichtweisen schärfte sich im Zuge ihrer praktischen Arbeit in den settlement-houses mit multi-ethnischer Klientel. Sie verband diese Erfahrungen mit ihrer Friedensarbeit zu einer Vision der Überwindung von Nationalismus durch offenen globalen Dialog und internationale Zusammenarbeit. Individuelle Freiheit in einer Gesellschaft, geprägt von gleichen Rechten und Chancengleichheit, besaß für Emily einen zentralen Stellenwert; so betrachtete sie die in den 1920er Jahren vor allem in Europa erstarkenden nationalistischen, chauvinistischen, autoritären, im Besonderen in Deutschland rassistischen und antisemitischen Bewegungen mit großer Sorge und warnte vor einer Preisgabe individueller Freiheit, bürgerlichen Freiheitsrechten zu Gunsten geschlossener, ethnisch einheitlicher Gesellschaften unter diktatorischer Führung mit imperialistischen Machtansprüchen. Faschismus betrachtete sie als Beispiel für ein zunehmendes Bedürfnis, das eigene Selbst in einer Gemeinschaft aufgehen zu lassen, in der Non-Konformität und Verschiedenartigkeit als Gefahr erscheinen.[38]

Der Internationalismus, den Jane Addams und Emily Greene Balch vertraten, erscheint nicht dogmatisch, vielmehr flexibel und praxisorientiert. Internationale Kommunikation jenseits enger und trennender Nationalismen könne über gelungene internationale Projekte initiiert werden. Sie dachten dabei an internationale Forschungsprojekte und praktische, technische länderübergreifende Zusammenarbeit, so zum Beispiel in Schiff- und Luftfahrt, Erforschung der Polarregionen etc. Konkrete gemeinsame Anstrengungen zu wechselseitigen Vorteil sollten die Gefahr von Kriegen vermindern, wobei die unterschiedlichen Perspektiven und Interessen der beteiligten Gruppen zu berücksichtigen seien. Auch hierbei wurden Erfahrungen aus Tagen der Arbeit in der Settlement-Bewegung auf eine globale Ebene übertragen: Jede Verbesserung könne nur in Arbeit „mit“ den Menschen, nicht durch Engagement „für“ sie erreicht werden.[39]

Empathie und Respekt für unterschiedliche Standpunkte sowie gleichberechtigte Kooperation zwischen Menschen, sozialen Gruppen, aber auch Staaten waren für Emily Grundlage einer demokratischen Ethik und auf globaler Ebene Voraussetzung für Frieden und Gerechtigkeit. Streben nach politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Hegemonie betrachtete sie als Kern jeglichen Imperialismus’ und unvereinbar mit demokratischer Ethik.

Bereits 1927 warnte sie vor einer Politik, die ungehemmter Profitorientierung freie Hand gegenüber schwächeren, nur dem Namen nach unabhängigen Nationen gewährte. Die Amerikaner, so Balch, seien sich nicht darüber im Klaren, was in ihrem Namen auf unauffällige, aber wirkungsvolle Weise durch Geschäftspraktiken angerichtet werde, vor allem in Lateinamerika. Sie forderte internationale Handelsverträge zum Schutz schwächerer Staaten vor wirtschaftlicher Ausbeutung und forderte Vereinbarungen für fairen globalen Handel.[40]

Als sich die USA im fortschreitenden Ost-West-Konflikt als Führungsmacht des Westens etablierten, kritisierte sie die Ausprägung eines kulturellen Imperialismus, eine Ausbreitung des American way of life in der westlichen Hemisphäre, die, so Emily, Hand in Hand gehe mit Bemühungen, die militärische Vormachtstellung der Vereinigten Staaten zu nutzen, um profitable Vereinbarungen zum Vorteil der eigenen Wirtschaft zu erzwingen. Die USA seien wohl am meisten dafür zu fürchten, schrieb sie bereits 1949, westlichen Staaten ein kulturelles und ökonomisches Glaubensbekenntnis abzuverlangen. Naiverweise seien viele Amerikaner davon überzeugt, eine Ausbreitung ihrer Werte müsse dem Rest der Welt zum Segen gereichen.[41]

In den 1950er Jahren wurde es ruhiger um Emily. Mit der Teilung der Welt in zwei Blöcke im Zuge des Kalten Krieges konnte sie sich dennoch nicht zufrieden geben. Sie konstatierte eine Erstarrung der US-amerikanischen Gesellschaft in Angst, Misstrauen und Zynismus, während Anti-Kommunismus zunehmend bestimmender gesellschaftlicher Faktor wurde. Sie bemängelte eine stetig geringer werdende Bereitschaft, unterschiedlichen Perspektiven Raum zu geben, zunehmenden Rassismus und wachsende Intoleranz gegenüber non-konformen Lebensentwürfen. Der gesellschaftliche Diskurs verlor aus Emilys Sicht zunehmend an Rationalität. Vor dem Hintergrund sich verfestigender Blockpolarisierung und eines zunehmenden Nationalismus sowie anhaltender rassistischer Diskriminierung in den USA erhob die Nobelpreisträgerin weiter ihre Stimme, blieb in wachsender gesellschaftlicher Polarisierung indes weitgehend ungehört.

Die Antriebskräfte für Emily Greene Balchs Handeln liegen wohl in einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, gefördert durch Familie, Lehrer und Hochschullehrer. Emily verfügte über ein feines Gespür für soziale Ungerechtigkeiten, eine auch durch die religiöse Ausrichtung der Quäker geprägte Achtung vor dem Individuum und seiner Freiheit.

Wesentlich für das Religionsverständnis der Quäker ist die Annahme, dass jedem Menschen Göttliches innewohne. Dem Individuum, der Würde des Einzelnen, unabhängig von Ethnie oder sozialem Status, kommt hierbei zentrale Bedeutung bei. Hierin liegt auch die Grundlage für das soziale Engagement zahlreicher Angehöriger der Religionsgemeinschaft, das sich vor allem gegen Diskriminierung Einzelner oder von Gruppen richtet. Zudem lehnt die Glaubensgemeinschaft jede Form von Krieg kategorisch ab.[42] 1921 trat sie den Quäkern 1921 bei. Emily sah den Sinn ihres Leben darin, ihre Kraft und Energie einzusetzen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, die Welt lebenswerter und gerechter zu machen. Wesentlich war hierbei die Solidarität ihrer Mitstreiterinnen.

Emily Greene Balch starb am 9. Januar 1961, wenige Tage nach ihrem 94. Geburtstag.

Am 15. November 1996 veranstalte die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit eine bescheidene Gedenkfeier anlässlich des 50. Jahrestages der Verleihung des Friedensnobelpreises an Emily Greene Balch in den Räumlichkeiten des Wellesley College. Kaum eine der Studentinnen oder Dozentinnen, die den Campus bevölkern, kennt die Nobelpreisträgerin, die hundert Jahre zuvor, von 1896-1916, hier gelehrt hatte, als Studium und Lehre für Frauen alles andere als gesellschaftliche und politische Selbstverständlichkeit war.

Einige ältere Frauen folgen der Lesung aus Emilys Schriften, ein älterer Herr sagt etwas von „Naivität.“ Einige wenige Studentinnen haben sich in die Gedenkveranstaltung verirrt, hören den Satz, den Emily hundert Jahre zuvor zu ihren Studentinnen gesagt hatte: „Alles was wir heute sind, alles wurde unter großen Mühen von vorhergehenden Generationen erfochten.“ Einige scheinen zu verstehen.[43]

Mit Sicherheit hätte Emily eine sich seit der Jahrtausendwende verschärfende globale Entwicklung, in der ein stetig an Einfluss gewinnender internationaler Finanzkapitalismus für wachsende soziale Ungleichheit sorgt, mit großer Sorge gesehen. Emily, die sehr früh einen Zusammenhang sah zwischen einer über nationale Grenzen hinausgreifenden, am Gemeinwohl sowie am Wohl des Individuums ausgerichteten Ökonomie und der Möglichkeit, dauerhaften Frieden zu schaffen, hätte diese Entwicklung als gefährlichen Rückschritt betrachtet. Bereits während des Ersten Weltkrieges und in den 1920er Jahren hatte sie vor „ökonomischem Imperialismus“ gewarnt sowie auf den notwendigen Zusammenhang zwischen einer demokratischen und ökonomisch gerechten Weltordnung und der Verhinderung von künftigen Kriegen hingewiesen.[44] Gleichsam als Gegenbewegung gegenüber weltweit wieder erstarkenden Nationalismen, die ethnische, religiöse und soziale Minderheiten ausgrenzen, die sie als große Gefahr erlebte. Angesichts dieser Gefahren kann ihr Mut Orientierung geben.

Autor: Dr. Christian Ritz

 

Anmerkungen

[1] Website des College: https://www.wellesley.edu/

[2] Website der Organisation: https://www.wilpf.org/, weiterführende Informationen: https://www.britannica.com/topic/Womens-International-League-for-Peace-and-Freedom

[3] Mercedes M. Randall, Improper Bostonian, New York 1964, S. 44. Zum Verhältnis zur Familie vgl.: Hania Luczak, “Mein Vaterland ist die Erde.” Emily Greene Balch (1867-1961), Friedensnobelpreis 1946, in: Charlotte Kerner (Hrsg.), Madame Curie und ihre Schwestern. Frauen, die den Nobelpreis bekamen, Weinheim u.a., 1997, S. 138-167, hier  S. 141 ff.

[4] Quellen zu seinen Positionierungen: Charles Sumner, Memoir and lettres of Charles Sumner (1811-1874), Boston 1878.

[5] Luczak, “Mein Vaterland ist die Erde“, S. 142.

[6] Website des College: https://www.brynmawr.edu/

[7] Emily Greene Balch, Public Assistance of the Poor in France. From the Middle Ages to the Late 19th Century, Vernon 2015, Erstausgabe: American Economic Association 1893.

[8] Zit. n. Randall, Improper Bostonian, S. 80.

[9] Vgl. Rita Braches-Chyrek, Jane Addams, Mary Richmond und Alice Salomon. Professionalisierung und Disziplinbildung Sozialer Arbeit, Opladen (u. a.) 2013, Patricia M. Shields, Jane Addams: Progressive Pioneer of Peace, Philosophy, Sociology, Social Work and Public Administration. New York 2017.

[10] Vgl. James Cicarelli, Julianne Cicarelli, Distinguished Women Economists. Westport u. a. 2003, S. 50 ff

[11] Ein Einstieg zur Geschichte der Settlement-Bewegung: Sandra Landhäußer, Communityorientierung in der sozialen Arbeit: die Aktivierung von sozialem Kapital. Wiesbaden 2009.

[12] Vgl. Judy D. Whipps, “The Feminist Pacifism of Emily Greene Balch, Nobel Peace Laureate,”, in: NWSA Journal, Vol. 18 (2006), no. 3, Feminist Perspectives on Peace and War: Before and after 9/11, S. 122-132, hier S. 123. E-doc: http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.828.2313&rep=rep1&type=pdf

[13] Details zur Vorgeschichte: Amar Akhil Reed, America’s Constitution. A Biography. New York 2005. Text des Zusatzartikels: https://deacademic.com/dic.nsf/dewiki/5060

[14] https://www.aclu.org/

[15] Mercedes M. Randall, Beyond Nationalism: The Social Thought of Emily Greene Balch. Detroit 1972, S. XXIV.

[16] Vgl. Scott H. Bennett, Antiwar dissent and peace activism in World War I. Lincoln (Nebraska) u. a. 2014; Frances H. Early, A World without war: How U.S. Feminists and Pacifists resisted World War I. Syracuse (NY) 1997; Heinrich Timmermann, Friedenssicherungsbewegungen in den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien während des Ersten Weltkrieges. Frankfurt a. M. 1978.

[17] Ihr wurde bewusst, wie tief “unser gesamtes soziales […] System, unsere Skala der Werte, unsere Ideen von Recht […] verbunden sind mit Krieg.” Zit. n. Randall, Beyond Nationalism, S. XXV.

[18] Vgl. Roland Marchand, The American Peace Movement and Social Reform, 1898-1918. Princeton 1972, S. 182.

[19] Detailliert: John Whiteclay, The Eagle and the Dove. The American Peace Movement and United States Foreign Policy 1900-1922. New York ²1991 (Erstausg. 1976), S. 50.

[20]  Das Manifest im Wortlaut ebd., S. 51.

[21] Ein erster Einblick: https://womenalliance.org/old/history.html

[22] Das Manifest des Kongresses: http://www.wilpfinternational.org/statements/1915.htm

[23] Vgl. https://www.wilpf.de/die-liga/geschichte/

[24] Vgl. die autobiographische Darstellung: Emily Greene Balch, At the Northern Capitals, in: Jane Addams, Emily Greene Balch, Alice Hamilton, Women at the Hague: The International Congress of Women and its Results. Chicago 2003 (Erstausgabe 1915), S. 99-110, hier S. 99 f.

[25] Vgl. Emily Greene Balch, Factors in continuing the war, in: ebd., S. 82-98, hier S. 83.

[26] “[…] submerged by the flood-tide of militarism […]“; Jane Addams, The revolt against war, in ebd., S. 55-81, hier S. 57

[27] Die Rede vor dem Kongress und die 14 Punkte Woodrow Wilsons: https://wwi.lib.byu.edu/index.php/President_Wilson’s_Fourteen_Points, deutsche Übersetzung des Programms: http://www.documentarchiv.de/in/1918/14-punkte-wilsons.html

[28] S. Whipps, Feminist Pacifism, S. 124.

[29] Vgl. Patrizia A. Palmieri, In Adamless Eden: The Community of Women Faculty at Wellesley. New Haven 1995, S. 40 f.

[30] Randall, Improper Bostonian, S. 246.

[31] Zitat bei: Patrizia A. Palmieri, “A Private Citizen of the World:” Emily Greene Balch (1867-1961), in: Michael Neumann (Hrsg.), The Nobel Peace Award from 1946-1952. München 1991, S. 38-54, hier S. 40.

[32] Detailliert: Robert W. Dimand, “Emily Greene Balch, Political Economist,” in: The American Journal of Economics and Sociology, 70 (April 2011), no. 2, S. 464-479, hier S. 472 f.

[33] Würdigung des Nobelpreis-Kommitees zit. nach Randall, Improper Bostonian, S. 21.

[34] https://www.nobelprize.org/prizes/peace/1946/balch/lecture/

[35] Würdigung des Nobelpreis-Kommitees zit. nach Randall, Improper Bostonian, S. 12.

[36] Ebd., S. 12 f.

[37] Ebd., S. 14, zit. n. Palmieri, A Private Citizen of the World, S. 42.

[38] Zit. nach Randall, Improper Bostonian, S. 326.

[39] Vgl. Whipps, Feminist Pacifism, S. 126 f.

[40] Emily Greene Balch,  “Economic Imperialism with Special Reference to the United States” (Nov. 1926), in: Mercedes M. Randall, Beyond Nationalism: The Social Thought of Emily Greene Balch. New York 1972, S. 140-158, hier S. 142 f.

[41] Zit. n. Randall, Beyond Nationalism, S.183.  […] America is all the more to be feared because [of] our urge to spread our creed […], the naïve belief that the “expansion of our values would be good for the world.”

[42] Detailliert zum Gottes- und Menschenbild der Quäker: Claus Berne, Quäker aus Politik, Wissenschaft und Kunst. – 20. Jahrhundert. Ein biographisches Lexikon. Nordhausen 2007.

[43] Vgl. Luczak,  Mein Vaterland ist die Erde”, S. 167.

[44] Vgl. Emily Greene Balch, “War in Its Relation to Democracy and World Order,” in: Annals of the American Academy of Political and Social Science 72 (1917) S. 28 – 31 sowie Dies., “Economic Imperialism with Special Reference to the United States”, in: Pax International 2 (1926), S. 140-144.

 

Literatur (Auswahl)

Jane Addams, Emily Greene Balch, Alice Hamilton (Hrsg.), Women at the Hague: The International Congress of Women and its Results. Chicago 2003 (Erstausg. 1915).

Harriet H. Alonso, H. H.,“Nobel Peace Laureates, Jane Addams and Emily Greene Balch: Two Women of the Women’s International League for Peace and Freedom”, in: Journal of Women’s History 7 (1995), S. 6-26.

Emily Greene Balch, “Public Assistance of the Poor in France”, in: Publications of the American Economic Association 8 (1893), no. 4 & 5, S. 1-180.

Dies., An Outline of Economics. Cambridge 1899.

Dies., “Comment: Western Civilization and the BirthRate”, in: American Journal of Sociology 12 (1907), no. 5, S. 623-626.

Dies., Our Slavic Fellow Citizens. New York 1910.

Dies., “The Education and Efficiency of Women”, in: Helen Marot (Hrsg.), The Economic Position of Women. New York 1910, S. 61-71.

Dies., “The Economic Role of the Housewife”, In: Home Progress 4 (1914), S. 620-624.

Dies., “The Effect of War and Militarism on the Status of Women”, in: American Sociological Society Publications 10 (1916), S. 39-55.

Dies., “War in Its Relation to Democracy and World Order”, in: Annals of the American Academy of Political and Social Science 72 (1917) S. 28-31.

Dies., “Economic Imperialism with Special Reference to the United States”, in: Pax International (1926), no. 2, S. 140-144.

Scott H. Bennett, Antiwar dissent and peace activism in World War I. Lincoln (Nebraska) u. a. 2014.

Rita Braches-Chyrek, Jane Addams, Mary Richmond und Alice Salomon. Professionalisierung und Disziplinbildung Sozialer Arbeit. Opladen (u. a.) 2013.

James Cicarelli, Julianne Cicarelli, Distinguished Women Economists. Westport u. a. 2003.

Robert W. Dimand, “Emily Greene Balch, Political Economist”, in: The American Journal of Economics and Sociology 70 (April 2011), no. 2, S. 464-479.

Frances H. Early, A World without war: How U.S. Feminists and Pacifists resisted World War I. Syracuse (NY) 1997.

Kirsten E. Gwinn, Emily Greene Balch: The Long Road to Internationalism. Urbana 2010.

Sandra Landhäußer, Communityorientierung in der sozialen Arbeit: die Aktivierung von sozialem Kapital. Wiesbaden 2009.

Hania Luczak, „’Mein Vaterland ist die Erde. Emily Greene Balch (1867-1961), Friedensnobelpreis 1946’“, in: Charlotte Kerner (Hrsg.), Madame Curie und ihre Schwestern. Frauen, die den Nobelpreis bekamen. Weinheim u. a. 1997, S. 138-167.

Roland Marchand, The American Peace Movement and Social Reform, 1898-1918. Princeton 1972.

Michael Neumann (Hrsg.), The Nobel Peace Award from 1946-1952. München 1991.

Patrizia A. Palmieri, In Adamless Eden: The Community of Women Faculty at Wellesley. New Haven 1995.

Dies., “A Private Citizen of the World”: Emily Greene Balch (1867-1961),” in: Michael Neumann (Hrsg.), The Nobel Peace Award from 1946-1952. München 1991, S. 38-54.

Mercedes M. Randall, Beyond Nationalism: The Social Thought of Emily Greene Balch. Detroit 1972.

Dies., Improper Bostonian: Emily Greene Balch, Nobel Peace Laureate 1946. New York 1964.

Patricia M. Shields, Jane Addams: Progressive Pioneer of Peace, Philosophy, Sociology, Social Work and Public Administration. New York 2017.

Heinrich Timmermann, Friedenssicherungsbewegungen in den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien während des Ersten Weltkrieges. Frankfurt a. M. 1978.

Judy D. Whipps, “The Feminist Pacifism of Emily Greene Balch, Nobel Peace Laureate”, in: NWSA Journal Vol. 18 (2006), no. 3: Feminist Perspectives on Peace and War: Before and after 9/11, S. 122-132, E-doc: http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.828.2313&rep=rep1&type=pdf

John Whiteclay, The Eagle and the Dove. The American Peace Movement and United States Foreign Policy 1900-1922. 2nd edition, New York 1991 (Erstausg. 1976).

 

Diesen Beitrag teilen