22.06.2018

“Einem Nestbeschmutzer zum Gedenken”
Zum 50. Todestag von Fritz Bauer – Texte von Kurt Nelhiebel (Conrad Taler)

Dähre: Ossietzky-Verlag, 2018, 119 Seiten, ISBN 978-3-944545-12-7

Rechtzeitig zum 50. Todestag von Fritz Bauer (1903-1968) am 1. Juli hat der Ossietzky Verlag unter dem Titel Einem Nestbeschmutzer zum Gedenken einen Sammelband von Texten veröffentlicht, die sich mit den ungeklärten Umständen des Ablebens und mit den Anfeindungen befassen, denen der legendäre hessische Generalstaatsanwalt in der Nachkriegszeit ausgesetzt war.

Verfasser ist der Publizist Kurt Nelhiebel, der den Kämpfer für die Würde des Menschen und unbeugsamen Antifaschisten Fritz Bauer persönlich gekannt und gegen seine Kritiker verteidigt hat. Nelhiebel war unter anderem Zeuge eines Streitgesprächs zwischen dem Initiator des Auschwitz-Prozesses und dem späteren Bundeskanzler Helmut Kohl, in dessen Verlauf der damalige CDU-Landtagsabgeordnete dem von den Nazis verfolgten Fritz Bauer 1962 vorhielt, der zeitliche Abstand für ein abschließendes Urteil über den Nationalsozialismus sei noch zu kurz.

Der Verfasser des Buches wurde kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt (siehe Titelbild).

Die bemerkenswerte Sammlung von Texten hebt die bedeutende Lebensleistung Bauers hervor. “Die Vergangenheit ist lebendig,” erklärte schon der Jurist. Kurt Nelhiebels Texte zeigen auch auf, wie in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit ein Zerrbild von Bauer verbreitet wurde, das viel mit nationalistischen und als deren Kehrseite rassistischen Vorurteilen zu tun hat (vgl. dazu auch das Forschungsjournal Soziale Bewegungen 4/2015).

Klappentext des Textbuches

Als Sohn deutscher Eltern 1927 in Nordböhmen geboren, veröffentlichte Kurt Nelhiebel 1959 in der Frankfurter antifaschistischen Wochenzeitung Die Tat einen Artikel über die Nazi-Vergangenheit des Bundesvertriebenenministers Theodor Oberländer (CDU) und löste damit eine Lawine aus, die den Minister zum Rückrtitt zwang. 1964 erinnerte er im Israelitischen Wochenblatt für die Schweiz daran, dass der soeben mit dem Großen Bundesverdienstkreuz geehrte stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Ruhrchemie AG, Heinrich Bütefisch, 1948 wegen Beteilgung an Verbrechen iin Auschwitz zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Bütefisch musste den Orden noch am selben Tag zurückgeben.

2010 kritisierte Kurt Nelhiebel in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft die geschichtsrevisionistische Ausrichtung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung durch den Gründungsdirektor Manfred Kittel. Vier Jahre danach wurde Kittel mit sofortiger Wirkung von seinem Posten entbubden.

2014 prangerte er in der Berliner Zeitung Tagesspiegel den Umgang des Fritz Bauer Instituts mit seinem Namensgeber an; vier Monate später nahm der verantwortliche Direktor Raphael Gross seinen Hut.

2014 erhielt Kurt Nelhiebel den Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon in Bremen. 2018 wurde ihm in Würdigung seiner Verdienste um die Aufarbeitung der jüngsten Geschichte Deutschlands sowie um Versöhnung und Völkerverständigung das Bundesverdienstkreuz verliehen.

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