Initiative für eine Fritz Bauer Straße in Kopenhagen

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17.07.2022

In Kopenhagen soll eine Straße nach Fritz Bauer benannt werden

Hoffnung für ein noch besseres Gedächtnis an den mutigen Juristen auch in seinem Heimatland

Von Dr. Irmtrud Wojak

Schon fast mitten in der Sommerpause in Nordrhein-Westfalen erreichte uns diese Nachricht. Drei namhafte Persönlichkeiten, der Jurist Finn Rowold, der Journalist Michael Kuttner und der Skandinavien-Korrespondent der Frankfurter Rundschau Thomas Borchert, haben die Stadtverwaltung von Kopenhagen angefragt, eine Straße nach dem früheren hessischen Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer zu benennen. Wir im Fritz Bauer Forum Bochum wünschen der Initiative Glück und ein baldiges Gelingen.

Der Jurist Dr. Fritz Bauer hat sein Exilland Dänemark stets in sehr guter Erinnerung behalten. Insbesondere die Unterstützung seitens der dänischen Sozialdemokratie. Und übrigens trotz der Verfolgung, die er dort während der deutschen Besatzungszeit erlebte, als dänische Nazis und Kollaborateure ihm homosexuelle Kontakte unterstellten, um ihn abzuschieben und erneut den Nationalsozialisten, das heißt dem KZ auszuliefern.

Es ist ein mehr als wünschenswerter Nebeneffekt der Initiative, dass dadurch endlich die vom Fritz Bauer Institut und dem Autor Ronen Steinke in die Welt gesetzte Behauptung, man müsse darüber sprechen, dass Fritz Bauer womöglich homosexuell war, auch hierzulande korrigiert wird. Lange habe man überlegt, verlautbarte es vor ein paar Jahren aus dem Institut, ob man dies öffentlich machen dürfe. Peinlicher ging es kaum.

Die Gerüchteverbreiter sind auf die dänischen Nazis reingefallen. Das hat jetzt die dänische Historikerin Sina Maria Vinther aufgrund ihrer Recherchen für den britisch-amerikanischen Journalisten Jack Fairweather bestätigt, der an einer neuen Fritz Bauer Biografie schreibt. Ebenso verbreitet das Institut seit Jahren das Gerücht, Fritz Bauer habe sich den deutschen Nazis mit einer Unterschrift unterworfen, um aus dem KZ freizukommen. Doch es gibt diese Unterschrift von Fritz Bauer nicht. Als wäre das nicht genug, wird aber auch noch drauf gesetzt, Bauer sei ein Landesverräter, weil er den Israelis den Aufenthaltsort des NS-Verbrechers Adolf Eichmann mitteilte. Was daran Landesverrat war, welchen „schweren Nachteil“ die äußere Sicherheit der Bundesrepublik dadurch erfuhr und was daran Israel „begünstigt“ – auch dafür gibt es keine Belege. Der schwule Jude und Landesverräter, immer wieder wird mit diesem Vorurteil gespielt. Es bringt dessen Wortführer in die Medien. In diesem Falle sind gleich zwei neue Spielfilme daraus über Fritz Bauer entstanden, die beide das Vorurteil über ihn weiterverbreiten und ihm eine Homosexualität großzügig verzeihen, schließlich habe es ja den Paragraphen 175 gegeben…

Bundesjustizministerin a.D. Prof. Dr. Hertha Däubler-Gmelin, der frühere Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Erardo Rautenberg, der Geschäftsführer des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement PD Dr. Ansgar Klein, der Journalist und Träger des Kultur- und Friedenspreises der Villa Ichon in Bremen Kurt Nelhiebel, die Kulturredakteurin des Weltexpresso in Frankfurt am Main Claudia Schulmerich, die Regisseurin Ilona J. Ziok (Regisseurin von „Fritz Bauer – Tod auf Raten“) und andere haben wie die Autorin dieses Textes jahrelang gegen diese Gerüchteküche über Fritz Bauer angeschrieben. Die Gründung des Fritz Bauer Forums in Bochum ist mit ein Resultat davon. Denn wieso spielt ausgerechnet ein nach Fritz Bauer benanntes Institut hartnäckig solchen rechtslastigen und nationalistischen Vorurteilen zum Tanze auf, die den ohnehin vorhandenen Antisemitismus befeuern? Die Antwort darauf können nur die Verantwortlichen geben, indem sie endlich den Mut dazu aufbringen, und ihre Fehler richtigstellen.

Dass in Dänemark jetzt eine Straße nach dem aufrechten Sozialdemokraten und Antifaschisten Dr. Fritz Bauer benannt werden soll, der von der ersten Stunde an öffentlich gegen die Nationalsozialisten gekämpft hat und deswegen ins KZ gesperrt wurde, dass eine neue Wanderausstellung des Jüdischen Museums in Kopenhagen in Kooperation mit dem neuen Flüchtlings-Museum („Flugt“) in Varde entsteht,  lässt hoffen. Hoffen darauf, dass auch in Deutschland Fritz Bauers widerständiges Handeln, dessen Nachahmung längst überfällig ist, endlich die ihm gebührende wahrheitsgemäße Anerkennung zuteil wird.


Link zum Artikel über die Initiative in der Frankfurter Rundschau

Beim Aufbau des Fritz Bauer Forums und der Fritz Bauer Bibliothek gibt es viele Möglichkeiten mitzumachen. Wie Fritz Bauer es gesagt hat:  „Im Kampf um des Menschen Rechte“!

Sie können Bücher im Online-Shop des Fritz Bauer Forum kaufen, damit unterstützen sie das Projekt. Oder Sie können mit dem Forum gemeinsam Veranstaltungen verwirklichen. Es soll offene Diskussionen darüber anstoßen, wie sich ein Weltgedächtnis fördern lässt, das sich am widerständigen Handeln eines Fritz Bauer und überhaupt an Menschenrechtskämpfer*innen orientiert.

Baustelle des Fritz Bauer Forums geht voran

© Fritz Bauer Forum | Buxus Stiftung

Der erste Bauabschnitt mit dem Umbau der Trauerhalle Havkenscheid in die Fritz Bauer Bibliothek an unserer neuen Adresse Feldmark 107 in Bochum geht zügig weiter. Die Heizungsanlage ist eingebaut und jetzt wird der Beton saniert, ein aufwändiges Unterfangen bei dem denkmalgeschützten Objekt.

Besuche und Führungen auf dem Gelände

© Fritz Bauer Forum | Buxus Stiftung

Jüngst waren gleich zwei Künstler*innen auf der Baustelle zu Gast, die Bochumerin Dorothee Schäfer, die gerade ein Kunstwerk zum Thema Widerstand ihn Bochum realisiert, und der Amerikaner Bradley McCallum (New York und San Francisco), dessen Arbeiten Trauma und Widerstand, kollektive Geschichte und individuelles Erinnern zum Thema haben. Es entspann sich ein engagiertes und ideenreiches Gespräch über das entstehende Fritz Bauer Forum und gemeinsame Projekte.

Neue Termine auf unserer Veranstaltungsseite

Oder Sie sprechen uns einfach an: info@fritz-bauer-forum.de

 

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