Geschichte 2013-2020

Das Jahr 2013

2013 war das Jahr des verspäteten Beginns des NSU-Prozesses in München. Zu dieser Zeit hatten die Überlebenden des Nationalsozialistischen Untergrunds bereits jahrelang Beweisvernichtung und Verdrehungen ihrer Geschichte erlebt. Es erging ihnen, wie den vielen anderen Überlebenden rassistischer Anschläge, ähnlich wie den Holocaust-Überlebenden nach 1945. Opfer wurden zu Tätern gemacht und man gab ihnen die Schuld an den Anschlägen, nicht selten wurden sie diffamiert.

2013 war auch das Jahr der Gründung der „Alternative für Deutschland“, die das Erinnern an die Verbrechen des Nazi-Regimes in Form des Holocaust-Mahnmals als Schande bezeichnet.

Die Demontage des Generalstaatsanwalts Dr. Fritz Bauer

Ebenfalls 2013 setzte die öffentliche Demontage des Juristen und Auschwitz-Anklägers Dr. Fritz Bauer ein. Er hatte als Sozialdemokrat Widerstand gegen die Nazis geleistet, die ihn 1933 ins KZ sperrten. Im Exil kämpfte er ums Überleben und brachte nach seiner Rückkehr nach Deutschland das Verbrechen von Auschwitz, die NS-Medizin und NS-Justiz, die Verbrechen der Wehrmacht und der Polizei vor Gericht.

Ab 2013 wurde öffentlich behauptet, Bauer habe nicht zu seinen Überzeugungen gestanden. Er habe sich 1935 den Nazis unterworfen, um aus dem KZ freizukommen. Feige habe er nach 1945 seine jüdische Herkunft verraten, indem er sich als „glaubenslos“ bezeichnete. Angeblich wollte er so dem weiter existierenden Antisemitismus entkommen. Er sei zum Landesverräter geworden, indem er den Deportationsspezialisten Adolf Eichmann an Israel auslieferte. Zudem habe er sich selbst verraten, indem er sich nicht zur Homosexualität bekannt hätte.

Der Kriminologe und damalige Generalstaatsanwalt von Brandenburg Prof. Dr. Erardo Rautenberg wies in der Wochenzeitung Die Zeit „Die Demontage des Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer“ entschieden zurück. Sie wurde unter dem Filmtitel DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER dennoch verfilmt.

Empört über diese Verfälschung der Geschichte setzte sich Dr. Irmtrud Wojak, die 2009 die erste Biographie von Bauer veröffentlicht hatte, für das Werk des mutigen Widerstandskämpfers ein. Ebenso die Regisseurin Ilona Ziok mit ihrem Film FRITZ BAUER -TOD AUF RATEN, der Journalist und Kultur- und Friedenspreisträger der Villa Ichon Kurt Nelhiebel, die ehemalige Bundesjustizministerin Hertha Däubler-Gmelin und der Geschäftsführer des Bundesverbands Bürgerschaftliches Engagement Dr. Ansgar Klein.

Ein Fritz Bauer Archiv, Bibliothek und Blog

Der Jurist Bauer hatte sich das „Nie wieder!“ der Holocaust-Überlebenden nach 1949 zur Lebensaufgabe gemacht. Irmtrud Wojak gründete vor diesem Hintergrund unterstützt von Irmgard Schmidt und Jens Mittelsten Scheid 2013 die BUXUS STIFTUNG. Als erstes initiierte sie danach ein Fritz Bauer Archiv, um Bücher und Dokumente über Leben und Werk des Juristen zu sammeln und sein Werk auszuwerten. Eine Webseite wurde ins Netz gestellt, das fritz-bauer-archiv.de.

Im Zentrum der Arbeit der BUXUS STIFTUNG stehen das Recht auf Wahrheit und das Recht auf Information als individuelle Menschenrechte. Ebenso der unermüdliche Kampf gegen die Straflosigkeit von Genozid und Gewaltverbrechen, dem sich Überlebende wie Fritz Bauer, Raphael Lemkin und Benjamin Ferencz verpflichtet fühlten.

Irmtrud Wojak entwickelte die Idee zur interaktiven „Fritz Bauer Bibliothek“ mit einer eigens hierfür programmierten Datenbank. Diese ist mit ihren Geschichten vom Widerstand und Überleben seit 2019 online, wird weiter ergänzt und in Schulen erprobt. Jede und jeder kann jetzt Überlebensgeschichten von Menschenrechtskämpfer_innen im Netz hochladen und an die Redaktion abschicken, die sich mit den Autor_innen in Verbindung setzt, um sie zu veröffentlichen.

Parallel dazu wurde ein Fritz Bauer Blog eingerichtet, so dass seit 2017 eine Plattform besteht, die es ermöglicht, individuelle Geschichten aktuell und zeitnah zu dokumentieren. Auf diese Weise entsteht ein globales Netzwerk „Im Kampf um des Menschen Rechte“ (F. Bauer).

Fritz Bauer Forum – 2020…

Die Idee, das Engagement im Geiste des berühmten Juristen durch ein internationales Fritz Bauer Forum / Forschungs-, Bildungs- und Medienzentrum für Menschenrechte zu bündeln, entstand 2019. Es ist dem Engagement des Architekten Rainer Tönnes aus Essen zu verdanken, dass schon bald eine Immobilie gefunden werden konnte, die für diesen Zweck geeignet erscheint. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Betriebshof der Stadt Bochum und eine damit verbundene, in ihrer Gestaltung faszinierende ehemalige Trauerhalle. Ob und wie sich dieses Projekt an diesem Ort verwirklichen und finanzieren lässt, ist eine Aufgabe, die 2020 gelöst werden muss.

BUXUS STIFTUNG

 

Foto: Header ©Von Dontworry – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12183187

URL: https://www.fritz-bauer-forum.de/ueber-uns/geschichte/