* 12. Dezember 1931 in
† 26. November 2011 in
Staatsangehörigkeit bei Geburt: Deutsch
Staatsangehörigkeit bei Tod: Deutsch
Land des Kampfes für die Menschenrechte: Deutschland
Ort des Kampfes für Menschenrechte: Bochum (Nordrhein Westfalen)

Klaus Kunold wurde durch seine persönliche Geschichte und die Verfolgungen während des Nazi-Regimes geprägt, sein Engagement wurde durch seine politische Einstellung bestärkt.

Menschenwürde
Verbot von Folter oder grausamer, unmenschlicher Behandlung
Asylrecht
Recht auf freie Meinungsäußerung
Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit
Recht auf Wahrheit

EINLEITUNG

Klaus Kunold (1931–2011) trat 1950 der Freien deutschen Jugend bei, mit zwanzig der Kommunistischen Partei Deutschlands. Sie waren für ihn im Kampf für soziale Gerechtigkeit, für Frieden und gegen Faschismus die konsequentesten Organisationen. 1968 war er Gründungsmitglied der Deut- schen Kommunistischen Partei (DKP). Klaus Kunold ging es um »Wiedergutmachung« für die als Juden Verfolgten, für die Zwangsarbeiter_innen und die Sinti und Roma. 2008 erhielt er für sein antifaschistisches Engagement die Ehrenplakette der Stadt Bochum.«

DIE GESCHICHTE

Klaus Kunold, Bochum (Deutschland)
Antifaschist, Gewerkschafter, Humanist und Kommunist

 

Klaus Kunold wurde am 12. Dezember 1931 in Bochum als erstes von drei Kindern geboren.

Schon als Kind musste er miterleben, wie sein Vater, Karl Kunold, Mitglied der KPD, im August 1933 von der Gestapo verhaftet und in das KZ Oranienburggebracht wurde. Ebenso wurde seine Mutter 1933 verhaftet und musste ab Februar 1934 eine 14-monatige Haftstrafe im Gefängnis Krefeld-Anrath verbüßen.

Klaus Kunold hat mit sieben Jahren fassungslos vor der brennenden BochumerSynagoge gestanden. Den Beginn des Zweiten Weltkrieges ein knappes Jahr später erlebte er zusammen mit seinem Cousin Dieter Wahl und seiner Großmutter „Julchen“ Krollmann in Ostpreußen, wo sie zu dem Zeitpunkt Ferien machten. Über Umwege gelangte er mit seiner Großmutter und seinem Cousin nach Bochum zurück.

Klaus Kunold hat in Bochum gesehen, wie Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zur Arbeit getrieben wurden. Anfang 1945 war er mit seiner Mutter, seinem Vater und dem jüngeren Bruder bei einem Bauern in Volmarstein zusammen mit polnischen und ukrainischen Zwangsarbeitern untergebracht. Ihr Haus in Bochum war abgebrannt. In Volmarstein wurde im März 1945 seine kleine Schwester Jutta geboren. Drei Tage nach der Geburt der Schwester Jutta nahm sich sein einziger Cousin das Leben. Er muss im Krieg scheußliche Gräueltaten erlebt haben. Seinem Onkel Karl vertraute er an, dass er desertiert sei. Karl Kunolds Versprechen, ihn zu verstecken, scheint für ihn keine zu realisierende Option gewesen zu sein.

Klaus Kunold hat miterlebt, wie nach der Befreiung Bochums durch die Amerikaner die überlebenden Antifaschist_innen voller Optimismus waren, die zerstörte Stadt wiederaufzubauen und den Menschen Arbeit und Hoffnung zu geben. Sein Vater Karl Kunold war einer der ersten KPD-Ratsherren in Bochum.

Ostern 1946 wurde Klaus Kunold aus der Volksschule entlassen. Er begann eine Lehre in einer Gärtnerei mit Topf- und Gemüsepflanzen, die er nach drei Jahren erfolgreich geschlossen hat. Anschließend war er als Gärtnergehilfe tätig, verlor diese Tätigkeit jedoch wegen seiner politischen Einstellung. Klaus Kunold war mit neunzehn Jahren der FDJ und mit zwanzig Jahren der KPD beigetreten – seine Konsequenz aus dem, was er als Kind und Jugendlicher miterleben musste.

Auf einem politischen Lehrgang 1952 in Thüringen in der damaligen DDR lernte er Margret Stürmann aus Bremen kennen. Sie heirateten am 26. November 1954.

1951 wurde die FDJ in Westdeutschland verboten. Klaus Kunold war für die FDJ hauptamtlich in Bochum und Essen tätig und an den Vorbereitungen der III. Weltfestspiele der Jugend, die im August in Ost-Berlin stattfanden, beteiligt. Er wurde am 24. Juli 1953 aufgrund seiner Tätigkeit für die verbotene FDJ verhaftet. Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft einen Tag vor seinem 22. Geburtstag “trat der Angeklagte im Spätfrühjahr 1954 wiederum im Rahmen der verbotenen FDJ-Tätigkeit in Erscheinung. Er leitete bis zu seiner erneuten Festnahme am 14. März 1955 einen Jugendchor in Bochum, der von der FDJ gesteuert und gelenkt wurde.” (Gerichtsurteil vom 20. August 1962)

Im August 1956 kam Klaus und Margret Kunolds Tochter Elke und im Mai 1958 ihr Sohn Ulrich zur Welt. Sie wohnten in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Bochum. Den Lebensunterhalt verdiente Klaus Kunold bei einer Baufirma und auf dem Bochumer Verein, wo auch sein Vater arbeitete.

Am 17. August 1956 verkündete das Bundesverfassungsgericht das Verbotsurteil für die KPD. Elf Jahre nach Ende des Faschismus wurde in Deutschland erneut die kommunistische Partei verboten und erlitten deren Mitglieder Repressalien, während ehemalige Nazi-Größen in Wirtschaft, Politik und Justiz wieder Fuß fassen konnten. Das Verbot der KPD war für eine parlamentarische Demokratie in Europa etwas Einmaliges.

Da Klaus und Margret Kunold ihren politischen Auffassungen treu blieben und sie unter anderem für einen “konspirativen Literaturverteiler-Apparat” (Gerichtsurteil vom 20. August 1962) der KPD tätig waren, wurden sie im Mai 1960 beziehungsweise im November 1961 erneut angeklagt. Das Auffinden von zahlreichen kommunistischen und linksextrem ausgerichteten Büchern und Broschüren bei einer vorgenommenen Durchsuchung sowie die Verteilung von Flugblättern reichten anscheinend aus, um ihnen Staatsgefährdung vorzuwerfen. Margret Kunold wurde zu einer Haftstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Wenige Monate nach der Geburt ihres dritten Kindes Dieter, trat Klaus Kunold seine letztmalige Haft an.

Nach der Entlassung aus der Haft hatte Klaus Kunold das große Glück, gemeinsam mit anderen Kommunisten in einem der Stahlindustrie zuliefernden mittelständischen Familienunternehmen Arbeit zu finden. Die humanistische Einstellung des Unternehmers und die Tatsache, dass “der Alte” sich auf seine kommunistischen Arbeiter verlassen konnte, waren Basis für eine langjährige Zusammenarbeit. Klaus Kunold folgte seinem Vater in diesem Betrieb als Betriebsratsvorsitzender: Er engagierte sich in der IG Metall, bei den Naturfreunden und nahm jährlich zu Ostern zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern an den Märschen durch das Ruhrgebiet für Frieden, gegen Aufrüstung und den Krieg in Vietnam teil.

1968 gehörte Klaus Kunold zu den Gründungsmitgliedern der DKP in Bochum. Die Ostpolitik Willi Brandts, den ersten sozialdemokratischen Kanzler nach 1945, wurde von ihm begrüßt und brachte Hoffnung auf Entspannung und Annäherung der Blöcke und der beiden deutschen Staaten. Umso tragischer war es, dass genau in dieser Zeit auf Beschluss der so genannten Ministerkonferenz Lehrer auf ihre Verfassungstreue hin überprüft wurden und nicht nur DKP-Mitglieder Berufsverbot erhielten –  darunter auch Kinder von Widerstandskämpfern gegen Krieg und Faschismus.

1985 wurde Klaus Kunold Vorsitzender der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten“ in Bochum, der er bereits seit 1955 angehörte. Bis zu seinem Tod blieb er in dieser Funktion. Er engagierte sich bei den großen Friedensdemonstrationen in den 1980er Jahren und setzte sich für politisch Verfolgte ein. Es ging ihm ums „Wiedergutmachen“ für die jüdischen Mitbürger_innen, die Rechte der Zwangsarbeiter_innen während des Zweiten Weltkrieges, die Rechte der Sinti und Roma. Es ging ihm „um das Anerkennen ihrer Mühsal, ihrer Qualen und darum, immer wieder daran zu erinnern, dass viele, unzählig viele, ermordet worden sind.“ (W. Dominik/M.Walz in AMOS 4-2011) Es ging ihm um das genaue Erinnern für eine bessere Zukunft. 1993 erschien auf Initiative von Klaus Kunold die Broschüre Die Verfolgung der Juden in Bochum und Wattenscheid, die Jahre 1933-1945 in Berichten, Bildern und Dokumenten.

Eine wichtige Aufgabe war für ihn die Gewinnung junger Menschen für die Aktionen gegen die NPD und andere neonazistische Kräfte. Er war einer der Organisatoren der Antifaschistischen Landeskonferenz und setzte sich für die Schließung der NPD-Landeszentrale in Wattenscheid ein.

Eine weitere Aufgabe war für ihn in die Erforschung von Verfolgung und Widerstand in Bochum während der NS-Zeit. Diese Aufgabe sah er als nötig an, weil die Zahl der noch lebenden Verfolgten, die als Zeitzeug_innen noch Auskunft geben konnten, immer kleiner wurde. Klaus Kunold organisierte die ersten antifaschistischen Stadtrundgänge und hat sie bis zuletzt oft selbst durchgeführt. 1994 gehörte er zu den Initiatoren und Gründungsmitgliedern des Vereins „Erinnern für die Zukunft e. V.“. Dessen Ziel war es unter anderem, bei der Stadt Bochum eine Einladung an die Überlebenden der alten jüdischen Gemeinde zu bewirken, Bochum zu besuchen. 1995 kamen erstmals 51 Mitglieder der alten jüdischen Gemeinde wieder in ihre alte Heimatstadt, aus der sie während des Faschismus fliehen mussten, um zu überleben. Neben seinem Wirken in diesem Verein und seinen Führungen zu Orten der nationalsozialistischen Stadtgeschichte, bei denen er Historie anschaulich und lebendig vermittelte, engagierte er sich für einen Ort der Erinnerung für ehemalige Zwangsarbeiter_innen und Kriegsgefangene. Anfang 2012, wenige Monate nach seinem Tod, wurde eine Gedenkstätte hierfür auf dem Gelände des ehemaligen Lagers des Bochumer Vereins eingeweiht.

Für seine Verdienste, die er sich durch sein Eintreten für die Opfer des Nationalsozialismus und gegen rechte Gewalt erworben hatte, wurde Klaus Kunold am 30. Mai 2008 nach dreimaligen Anlauf auf Antrag der Fraktion DIE GRÜNEN im Bochumer Stadtrat von der damaligen amtierenden Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz mit der Ehrenplakette der Stadt Bochum ausgezeichnet.

Klaus Kunold starb am 26. November 2011 in Bochum, kurz vor seinem 80. Geburtstag. Zu seinem 70. Geburtstag erschien die Broschüre mit dem Titel „Repression und aufrechter Gang“ , die daran erinnert, welcher Verfolgung Klaus Kunold in der Regierungszeit der Adenauer-CDU ausgesetzt war.

Autoren: Volker Gerwers und Dieter Kunold

Diesen Beitrag teilen