11.09.2018

„Malta will mit der Mission Lifeline ein Exempel statuieren“
Die Verhandlung gegen Kapitän Claus-Peter Reisch wurde heute erneut aufgeschoben

75 Tage sind es jetzt, dass das Rettungsschiff „Lifeline“ im Hafen von La Valetta auf der Insel Malta vor Sizilien festgehalten wird. Offensichtlich setzen die maltesischen Behörden viel Energie in den Versuch, weitere Rettungseinsätze von NGO’s in dem gefährlichen Gebiet zwischen Libyen, wo offener Bürgerkrieg herrscht,  und Sizilien zu verhindern. Dabei sind laut Berechnungen von „Mission Lifeline“ allein in diesen zwei Monaten 380 Menschen in dem Seegebiet ertrunken.

Wer wird dafür zur Verantwortung gezogen? Wird sich überhaupt je ein Regierungschef oder (Innen-)Minister für diese schamlose Festsetzung von Seenotrettungsschiffen verantworten müssen!?

Am Samstag hat der Kapitän der letzten Mission der „Lifeline“, Claus-Peter Reisch, in seiner Heimatstadt Landsberg am Lech auf einer Veranstaltung der Partei der GRÜNEN über die Situation auf Malta berichtet. Dort sitzen die Crews der „Lifeline“ und – ebenso lange schon – der „Sea Watch3“ fest, während wenige Seemeilen entfernt die Menschen in Seenot ertrinken. Kapitän Claus-Peter Reisch weiß, wovon er spricht, denn er musste auf seiner letzten Mission miterleben, wie sein Schiff mit 230 Geretteten zum Spielball der Politik wurde und eine Woche lang keinen sicheren Hafen anlaufen durfte. Unter denen, die den Geretteten eine Aufnahme anboten, damit das Schiff eine Erlaubnis zur Hafeneinfahrt erhielt, waren Italien, Frankreich und Portugal, auch einige deutsche Bundesländer, während Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sich allerdings tagelang stumm und taub stellte.

Der Bundesinnenminister, dem der „Vorfall“ aufgrund des CDU/CSU-internen Streits über die Asylpolitik äußerst ungelegen kam, heizte die Stimmung dann, als er endlich die Sprache wiedergefunden hatte, sogar weiter an, indem er von einem „Shuttle“ zwischen Libyen und Sizilien sprach. Es müsse verhindert werden, dass die Rettungsmission der „Lifeline“ ein „Präzedenzfall“ werde, usw. usf. Man kennt die Wahlkampfparolen der CSU mittlerweile zu Genüge, die Horst Seehofer damit bediente, und die durch ihren Bestätigungsdrang der AfD nur immer mehr Wähler_innen in die Arme treiben, die Bevölkerung jedoch spalten, weil sie Menschen gegeneinander ausspielen.

Dass die „Lifeline“ genau das geworden ist, was der Bundesinnenminister und sein italienisches Gegenüber Salvini (Lega Norte) wollten, zeigt indes der Umstand, dass der Prozess gegen Claus-Peter Reisch wegen angeblich ungültiger Papiere, der heute auf Malta nach mehreren Anläufen entschieden werden sollte, mangels Belegen erneut verschoben worden ist. Ein voll ausgestattetes und bis in den letzten Winkel geprüftes Schiff, mit einer voll einsatzbereiten Crew und gültigen niederländischen Papieren, wird in einem Hafen am Auslaufen gehindert, während zur gleichen Zeit Geflüchtete, von denen nicht wenige von Folter in den libyschen Lagern schwer gezeichnet sind, im Mittelmeer ertrinken. Armes Europa!

„Mission Lifeline – ein Präzedenzfall?“

Die Frage lässt sich klar beantworten: Ja, “Mission Lifeline” ist ein Präzedenzfall, ein trauriges Exempel mehr dafür, wie tief die Achtung der Menschenrechte sinken kann, dass es soweit kommen konnte. Seit 2013, dem Schiffunglück von Lampedusa, sind über 12.300 Mirgrant_innen im Mittelmeer umgekommen. Auf der Internetseite von „German-foreign-policy.com“ heißt es, auf dem Weg nach Europa seien seit dem Jahr 2000 etwas 35.000 Menschen gestorben – wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß kaum jemand, aber man kann es sich annähernd vorstellen. Schrecklich hoch!

Eines nur ist sicher, nämlich dass sich eines nicht allzu fernen Tages die Geschichte wiederholen wird, die manche oder eben leider auch viele – zumindest in Deutschland – schon kennen sollten. Unsere Kinder und Enkel werden uns mit Blick auf die Irrfahrten der „Mission Lifeline“ und anderer Seenotrettungsschiffe fragen: „Was habt Ihr getan, als die Menschen vor der Küste Italiens und Spaniens zu Tausenden ertrunken sind!? Habt Ihr die “Lifeline” unterstützt und geholfen?“

Die „Mission Lifeline“ sammelt für ein neues Schiff, hier ist das Spendenkonto:

Retten Sie mit uns gemeinsam Menschen im Mittelmeer!

MISSION LIFELINE e.V.
IBAN: DE85 8509 0000 2852 2610 08
BIC: GENODEF1DRS
Volksbank Dresden e.G.

 

Ihre Spende ist steuerlich absetzbar! Für die Zusendung der Spendenquittung geben Sie bitte Ihre Anschrift im Verwendungszweck an.

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