28.04.2021

Neue Forschungsergebnisse im Fall Raoul Wallenberg

Von Susanne Berger und Vadim Birstein

Neue Untersuchungen im Fall Raoul Wallenberg zeigen, dass – im Gegensatz zu früheren Behauptungen – das Fehlen entschlossener Maßnahmen seitens der schwedischen Regierung für Raoul Wallenberg nach seinem Verschwinden in der Sowjetunion im Januar 1945 nicht nur auf einem tragischen Zusammenkommen von einzelnen Faktoren beruht, wie die chaotische Nachkriegsbedingungen, das Versagen des schwedischen Verwaltungsapparats,  individuelle Inkompetenz, Wallenbergs Status als „Außenseiter“ oder Schwedens überwältigende Angst vor der Sowjetunion. Stattdessen deuten die neuen Ergebnisse darauf hin, dass die extreme Passivität der schwedischen Regierung im Fall Raoul Wallenberg in vielerlei Hinsicht eine bewusste Entscheidung einer ausgewählten Gruppe schwedischer Beamter war, die das nationale, wirtschaftliche und politische Interesse Schwedens, wie sie es definierten, über die Notwendigkeit gestellt haben, das Schicksal ihres eigenen Diplomaten zu klären.

Kürzlich entdeckte Unterlagen in der offiziellen Personalakte von Staffan Söderblom (Botschafter Schwedens in Moskau 1945/46) im schwedischen Außenministerium werfen neue Fragen darüber auf, was genau zu Söderbloms schwerem Nervenzusammenbruch geführt hat, den er 1951 erlitt und der letztendlich zu seiner vorzeitigen Pensionierung führte. Die umstrittene Rolle des Botschafters im Fall Raoul Wallenberg war möglicherweise nicht der einzige Grund für seinen Zustand, was  wiederum wichtige neue Fragen für die Wallenberg Forschung aufwirft.

Die Raoul Wallenberg Forschungsinitiative 70 (RWI 70), die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Wahrheit über das Schicksal des Diplomaten aufzuklären, der 1945 in Budapest verschwand, veröffentlicht aktuell auf ihrer Webseite die neuen Forschungsergebnisse von Susanne Berger und Vadim Birstein.

Zum Beitrag

 

Der Beitrag ist der zweite einer dreiteiligen Folge von Artikeln über das Schicksal des schwedischen Diplomaten, die von der Raoul Wallenberg Research Initiative 70 (RWI-70) initiiert wurde.

Der erste Beitrag von Bengt Jangfeldt erschien am 4. April 2021.

Der zweite Beitrag von Peter Axelsson erschien am 19. April 2021.

Diesen Beitrag teilen